5 Volumen-Indikatoren

1) OBV (On-Balance-Volume)

Der On-Balance-Volume-Indikator gehört zur technischen Analyse, bei der Preis und Volumen beim Handel mit Wertpapieren zueinander ins Verhältnis gesetzt werden. Der OBV steht für die Berechnung des kumulativen Gesamtvolumens beim Handel mit Wirtschaftsgütern oder Indices.

OBV schon 1946 bekannt

1963 wurde die Technik von Joseph Granville unter dem Namen on-balance volume in seinem Buch „Granville’s New Key to Stock Market Profits“ publiziert, nachdem der Indikator bereits 1946 in den USA in einem Kurs für Chart-Analysten präsentiert worden war.

Ziele des OBV

Mit dem On-Balance-Volume-Indikator sollen Trendwechsel festgestellt und Divergenzen zum Kursverlauf einer Aktie oder eines Marktes analysiert werden. Dabei gehen die Experten davon aus, dass bei steigendem Kurs Liquidität in das Wertpapier oder den Markt hinein fließt, bei fallendem Kurs dagegen Liquidität aus dem Titel oder dem Mark heraus genommen wird.

Beim On-Balance-Volume wird bei steigenden Kursen das Umsatzvolumen zum Indikator des Vortages addiert. Bei zurück gehenden Kursen wird das Volumen von diesem abgezogen.

In Verbindung mit dem oszillierenden Indikator Gleitender Durchschnitt können Handelssignale generiert werden. Experten raten dazu, den OBV-Indikator nicht in volatilen Seitwärtsphasen und auch nur in Verbindung mit anderen Indikatoren anzuwenden.

Kauf- oder Verkaufssignale beim OBV

Ein Kaufsignal beim OBV-Indikator deutet sich an, wenn der Parameter seinen Gleitenden Durchschnitt von unten nach oben kreuzt. Daneben wird ebenfalls ein Kaufsignal generiert, wenn der OBV-Indikator oder sein Gleitender Durchschnitt nach oben dreht.

Entsprechend gehen die Chart-Analysten von einem Verkaufssignal aus, wenn der OBV-Indikator seinen Gleitenden Durchschnitt von oben nach unten schneidet. Ein weiteres Verkaufssignal deutet sich an, wenn der OBV-Indikator oder sein Gleitender Durchschnitt nach unten dreht.

Kritische Stimmen zum OBV

Der OBV reagiert verzögert auf starke Veränderungen des Volumens. Beispielweise kommt es im Anschluss an Volumenspitzen dazu, dass der Indikator als kumulierter Wert danach eine Anpassungsperiode durchläuft, während dessen die Aussagekraft eingeschränkt ist.

Wenn das Handelsvolumen vorher hoch war und danach fällt, ist die Entwicklung des Indikators abgeschwächt und es wird schwieriger, Richtungsänderungen des OBV zu kenntlich zu machen. Sollte das Handelsvolumen unvermittelt ansteigt, ändert sich das On-Balance-Volume auch bei nur wenig veränderten Preisen stark. 

Heutzutage gibt es komplexere Handelsvolumen-Preis-Indikatoren, die Volatilitäten berücksichtigen. Entsprechend weisen diese die Schwäche nicht auf.

 

2) AD-Linie (Accumulation Distribution-Line)

Bei der Accumulation Distribution  Line (ADL), die von Mark Chaikin entwickelt wurde, handelt es sich um einen volumengewichteten Kursveränderungsindikator. Chaikin beabsichtigte mit dem ADL die Theorie des OBV aus den 60er Jahren weiter zu entwickeln.

Beim ADL wird im Gegensatz zum OBV ein preisgewichteter Volumenanteil angewandt. Umso höher die Kursveränderungen im Basiswert sind, umso höher ist der Volumenanteil, der in der Berechnung zu Grunde gelegt wird. Chaikins ADL ist einer der populärsten aus einer großen Anzahl von Volumenindikatoren und wird seit Jahren erfolgreich angewendet.

Grundlagen des ADL

Basis des theoretischen Konzepts des ADL ist der Umstand, dass fundierte Trendbewegungen immer von steigenden Volumina, also vom steigenden Interesse des Marktes begleitet werden. Wenn diese Parallelität aus dem Gleichgewicht gerät, kann es zu Änderungen der Machtverhältnisse im Markt und somit zu einer Trendwende kommen.

Darüber hinaus ist das Volumen ein zuverlässiger Frühindikator auf sich anbahnende Ausbrüche aus Konsolidierungszonen. Das Volumen deutet auf einen steigenden Liquiditätsstrom, der zu der Etablierung eines Trends führen kann. Ebenfalls weist es auf einen versiegenden Liquiditätsstrom, der zum Ende eines Trends führt. 

Ziel des ADL

Ziel des ADL ist es, den Liquiditätsstrom darzustellen, der in einen Wert hineinfließt oder aus diesem abgezogen wird. Der Indikator soll unabhängig von den reinen Kursbewegungen die wahren Kräfte kenntlich machen, die hinter diesen Bewegungen stehen.

Hohe Volumina sind immer durch Kauf- und Verkaufsdruck gekennzeichnet. Analysten, die diese beiden Kräfte richtig einschätzen möchten, können nicht umhin, des Volumens in die Berechnung eines Indikators notwendigerweise einzubeziehen. 

Verwendungsbereich des ADL

Die ADL wird bei der Suche nach Divergenzen zum Verlauf des Basiswertes eingesetzt, um bevorstehende Trendwenden sichtbar zu machen. Wenn die Parallelität zwischen Indikator und zu Grunde gelegtem Wert verschwindet, gehen Analysten davon aus, dass die bestehende Bewegung an Kraft verliert. Das an den Kursbewegungen beteiligte Volumen kann die Trendstärke nicht mehr aufrecht zu erhalten. 

Divergenzen sind Bewegungsmuster, in denen zwischen Indikator und Basiswert kein Gleichlauf zu erkennen ist. Wenn der Kurs des zu Grunde gelegten Wertes auf ein neues Hoch steigt, welches sich über dem letzten markanten Hoch befindet, sollte der Indikator dem folgen. Wenn dies nicht der Fall ist, sprechen technische Analysten von einer negativen Divergenz.

Verwechslung ADL-ACD möglich

Die von Mark Chaikin entwickelte Accumulation Distribution  Line ist ein volumengewichteten Kursveränderungsindikator. Er sollte nicht mit dem Accumulation   Distribution – Indikator (ACD) von Larry Williams verwechselt werden. Der ACD ist ein reiner Preisveränderungsindikator.

3) ChO (Chaikin-Oszillator)

Bei dem Chaikin-Oszillator (ChO) handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Accumulation – Distribution – Linie (ADL). Der ChO setzt die Veränderungen in der Accumulation – Distribution – Linie in Oszillatorsignale um.

Wie bereits ausgeführt, handelt es sich bei dem ADL um einen Indikator, der Preisveränderungen und Volumen ins Verhältnis setzt und entsprechend darstellt.

Basis des ChO

Der ChO geht von der Theorie Chaikins aus, dass das Volumen der Initiator für trendgerichtete Kursbewegungen ist. Demgemäß werden Kursveränderungen unter niedrigem Volumen weniger stark beachtet als Kursbewegungen unter hohem Volumen. Damit können frühzeitig Stärken und Schwächen in Trends erkannt werden. 

Die ADL untersucht die Lage des Schlusskurses relativ zur Mitte der maximalen Tagesspanne. Wenn der zu Grunde gelegte Wert zum Handelsschluss über der Mitte notiert, wird diese Situation als Accumulation bezeichnet. Demnach herrscht Kaufdruck vor.

Umso höher der Schlusskurs und umso weiter entfernt vom Mittelpunkt, umso stärker ist der Kaufdruck. Wenn der zu Grunde liegende Wert unter der Mitte der maximalen Spanne liegt, herrscht Verkaufsdruck. Dies wird als Distribution bezeichnet. Und umso weiter dieser von der Mittellinie entfernt ist, umso größer ist er. 

Ziele und Prinzipien des ChO 

Der ChO soll die Veränderungen im Momentum der Accumulation – Distribution – Linie frühzeitig sichtbar machen und in Form von zwei Arten von Signalen darstellen. Prinzipiell handelt sich um einen MACD-Indikator, der auf die ADL berechnet wird. Aus diesem Grunde können auch die gleichen Methoden wie beim MACD umgesetzt werden. 

Kauf- bzw. Verkaufssignale bei dem ChO 

In der Literatur wird empfohlen, beim ChO nur Handelssignale in Trendrichtung zu beachten. Dies bedeutet, dass in einem Aufwärtstrend lediglich Kaufsignale, in einem Abwärtstrend lediglich die Verkaufssignale beachtet werden sollten. 

Ein Kaufsignal wird in dem Falle generiert, wenn der ChO-Indikator die Mittellinie von unten nach oben schneidet. Entsprechend handelt es sich um ein Verkaufssignal, wenn der ChO die Mittellinie von oben nach unten schneidet.

Mithin ergeben sich zwei Optionen der Signalerzeugung: zum Einen die Suche nach Divergenzen zwischen Kursverlauf des Basiswertes und dem Indikatorverlauf, zum Anderen Schnittpunkte mit der Mittellinie oder einer Signallinie.

4) VPT (Volume-Price-Trend)

Der VPT (Volume-Price-Trend) ist ein Momentum-Oszillator, der mit dem Handelsvolumen kombiniert wird. Der Volume-Price-Trend wurde von dem US-amerikanischen Chart-Techniker Steve L. Kille entwickelt und wird als Trendindikator eingesetzt.

Beim VPT-Indikator werden die Kursveränderungen zwischen zwei Zeitintervallen mit dem Handelsvolumen multipliziert und mit dem entsprechenden Ergebnis eines vorhergehenden Zeitraums kumuliert.

Die Berechnung des VPT

Formel:

VPT = ((Ct – Ct-1) * Vt) + ((Ct-1 – Ct-2) * Vt-1) + (( Ct-n+2 – Ct-n+1) * Vt-n+1)

Ct = Schlusskurs der aktuellen Periode

Vt = Handelsvolumen der aktuellen Periode

Das Ergebnis ist eine um die 0-Marke  als Mittelpunkt oszillierende Darstellung mit offenen Extremwerten.

Erläuterung der VPT-Formel

Durch die Addition wird eine Glättung erreicht. Damit ist die Verwendung eines Gleitenden Durchschnitts nicht erforderlich. Die einzelnen Werte des Indikators schwanken ständig von oben nach unten offen über die Nulllinie und sind an Tagen mit Kursgewinnen stets positiv. Entsprechend dazu sind diese an Tagen mit Kursrückgängen negativ, wobei der Ausschlag der einzelnen VPT-Werte vor allem von der Stärke der Kursveränderung zum Vortag bestimmt wird. Der VPT-Indikator ist eine zufriedenstellende Ergänzung zu anderen Trendindikatoren.

Handelssignale bei dem VPT

Wenn der VPT-Indikator im positiven Bereich klettert, ist der Trend noch intakt. Entsprechend – wenn der VPT-Indikator im positiven Bereich fällt, wird signalisiert, dass der Trend nicht mehr intakt ist. Wenn der VPT-Indikator im negativen Bereich weiter nach unten rutscht, wird von einer Fortsetzung des Abwärtstrends ausgegangen. Ebenso erkennen Chart-Techniker, wenn der VPT-Indikator im negativen Bereich weiter nach oben klettert, ein mögliches Ende der Abwärtsbewegung.

Zeigt der VPT-Indikator Divergenzen zum Chartverlauf eines Wertpapiers, kann ein Trendwechsel bevorstehen.

Kombination des VPT mit anderen Indikatoren 

VPT-Indikatoren können mit frei wählbaren Gleitenden Durchschnitten kombiniert werden. Dabei liefern die Schnittpunkte entsprechende Handelssignale liefern.

5) UDV (Upside-Downside-Volume)

Der Upside-Downside-Volume, kurz UDV, gründet auf der prinzipiellen Vorstellung, dass sich das Handelsvolumen immer gemäß dem Trend entwickelt. Dies bedeutet, dass, solange das Umsatzvolumen bei Kursänderungen in Trendrichtung größer ist als bei Kursänderungen gegen die Trendrichtung, ist der Trend – noch – intakt. Der UDV versucht also – wie andere Volumen-Indikatoren auch, Divergenzen aufzuspüren.

Definition Divergenz: 

Als Divergenz wird der wichtigste Ansatz der Volumen-Analyse bezeichnet. Der Begriff meint im praktischen Gebrauch ein Auseinanderstreben zweier Vergleichskriterien. Wenn der Kurstrend und der Volumentrend nicht mehr die gleiche Richtung aufweisen, entsteht die Divergenz. Dieses Phänomen wird als gute Trading-Chance verstanden. Prinzipiell ist die Divergenz eines der besten Handelssignale der technischen Analyse.

Wenn das Umsatzvolumen bei gleich bleibendem Kurstrend dreht, ist ein bevorstehendes Ende des Trends in Sicht. Der UDV-Indikator sollte lediglich in Verbindung mit anderen Indikatoren angewandt werden.

Handelssignale bei dem UDV

Befindet sich der UDV-Indikator im positiven Bereich und ist der Kursverlauf im Aufwärtstrend, dann wird der Aufwärtstrend von den technischen Analysten als intakt angesehen. Analog dazu gilt, wenn sich der UDV-Indikator im negativen Bereich und der Kursverlauf im Aufwärtstrend bewegt, ist der Trend nicht mehr intakt.

Sollte sich der UDV-Indikator im negativen Bereich befinden und ist der Kursverlauf im Abwärtstrend, wir ein schwacher Abwärtstrend unterstellt. Entsprechend hierzu gehen die Chart-Techniker davon aus, dass wenn sich der UDV-Indikator im positiven Bereich bewegt und der Kursverlauf im Abwärtstrend liegt, gilt der Abwärtstrend als nicht mehr intakt.

Formel:

UDV = Handelsvolumen bei gestiegenen Kursen minus Handelsvolumen bei gefallenden Kursen

Als Ergebnis gehen die Analysten von einer um den Wert 0 als Mittelpunkt oszillierende Darstellung mit offenen Extremwerten aus.


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