7 Investmentstrategien

1) Growth-Strategie

Die Value- und die Growth-Strategie unterscheiden sich dadurch, dass es sich beim Value-Ansatz die Werthaltigkeit einer Aktie im Vordergrund steht, während bei der Growth-Strategie wachstumsstarke Aktien im Mittelpunkt stehen. Aus diesem Grunde wird dieser Ansatz auch wachstumsorientierter Investmentstil oder der Wachstumsstrategie genannt.

Growth bedeutet Wachstum. Somit geht es bei der Growth-Strategie um Aktien von Gesellschaften und Branchen, für die in der Zukunft eine überdurchschnittliche Rendite erwartet werden kann.

Charakteristika der Growth-Strategie 

Die Growth-Strategie als wachstumsorientierter Investitionsstil rückt die Zukunft näher in den Fokus. Nicht die heute real darstellbaren Werte machen hier den Reiz eines Wertpapiers aus, sondern die Perspektive auf ein überdurchschnittliches, zukünftiges Umsatz- und Gewinnwachstum.

Es ist ebenfalls durchaus wahrscheinlich, dass die aktuell generierbaren Gewinne wegen des noch frühen Entwicklungsstadiums einer Gesellschaft oder der betreffenden Produktgruppe eher niedrig sind. Aus diesem Grunde ist bei dieser Unternehmung das dazugehörige KGV meist hoch. Allerdings sind die Anleger an der Bewertung weniger interessiert.

Fantasie der Investoren gefragt 

Für die Investoren steht in erster Linie die Fantasie für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens im Fokus. Dementsprechend erhält die Aktie am Aktienmarkt auch eine Wachstumsprämie. Das Extrem der Growth-Strategie in der Praxis ist die Investition in sogenannte Start-up-Unternehmen, die wenig Vermögen aber viel Wachstumspotenzial aufweisen. Als Beispiele hierfür stehen die Erfolgsgeschichten von Apple oder Google. 

Charakteristika von „Growth“-Unternehmungen

Die von Anlegern, die nach der Growth-Strategie vorgehen, bevorzugen Gesellschaften mit einem hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), einem hohen Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV), einem hohen Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV), einem hohen Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), einem langfristig hohen Gewinnwachstum, keine oder einer geringen Dividendenrendite, stark steigendem Cashflow, einer höheren Verschuldung, einem hohen Umsatzwachstum sowie einer geringe Eigenkapitalrendite. 

Findungsproblematik beim Growth-Ansatz  

Investoren, die derartige Wertpapiere finden wollen, bedienen sich der fundamentalen Analyse. Im Vordergrund steht, dass eine Gesellschaft hohe, überdurchschnittliche Wachstumsraten beim Umsatz wie beim Gewinn erwirtschaftet. Der Anleger betrachtet die Wachstumsraten der Vergangenheit und ermittelt die Perspektiven der erwarteten Wachstumsraten der Zukunft.

Was Growth-Anleger beachten sollten

Typische Growth-Strategie-Investoren engagieren sich daher jedoch noch lange nicht in ganz neue sondern eher in innovative Gesellschaften. Lediglich besonders Gewinn-orientierte Wachstumsanleger kaufen Aktien von „jungen“ Unternehmen. 

Wachstumspapiere können nicht günstig erworben werden. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis dieser Wertpapiere liegt oft höher, als Investoren gewöhnlich bereit sind zu akzeptieren. Ein Investment in derartige Aktien ist entsprechend teurer, allerdings mit der Perspektive auf ein überdurchschnittlichen Wachstums. 

Growth-Strategie für Anfänger nicht geeignet 

Growth-Strategen sind meist erfahrene Marktbeobachter und gute Börsenkenner. Sie meinen Kenntnisse von Gesellschaften und Branchen zu besitzen, die das Potenzial für zukünftige Boom-Märkte haben.

Mithin sind Growth-Engagements Investitionen in Hoffnungen, die sich nur möglicherweise erfüllen. Wachstums-Investoren müssen sich daher ständig um ihre Aktien kümmern. Für Aktien-Einsteiger ist die Growth Strategie eher nicht zu empfehlen.

2) Insider-Strategie

Einige Marktteilnehmer bevorzugen eine Strategie, die ihre Handlungsimpulse aus den Informationen über Insider-Geschäfte ableitet. Die Investoren orientieren sich an den Aktientransaktionen der führenden Manager der bevorzugten Gesellschaft. 

Directors Dealings veröffentlichungspflichtig    

Seit dem Inkrafttreten des §15a WpHG, also seit 2002, sind Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder dazu verpflichtet, Aktientransaktionen der eigenen Gesellschaft, die sogenannten Directors Dealings, zu melden und zu publizieren. Die Benachrichtigung von Directors Dealing an die Marktteilnehmer erfolgt in Deutschland indem eine Meldung an den Emittenten und die BaFin vorgenommen wird. Danach sind die Inlandsemittenten verpflichtet, die Mitteilung zu veröffentlichen.

Directors’ Dealings ist der Begriff für Wertpapiergeschäfte von Mitgliedern des Managements börsennotierter Aktiengesellschaften mit Wertpapieren des eigenen Unternehmens.

Ebenfalls betrifft dies auch in Bezug auf den Führungskräften nahestehende Personen oder Gesellschaften.

Ziele der Veröffentlichungspflicht 

Der Gesetzgeber beabsichtigte mit der Pflicht der Veröffentlichung der Aktientransaktionen von Managern börsennotierter Gesellschaften die Verbesserung der Kapitalmarktintegrität, eine Stärkung der Anlegergleichbehandlung und erhöhte Kapitalmarkttransparenz. 

Directors Dealings als Basis der Insiderstrategie 

Die gesetzlichen Bestimmungen zur Publizitätspflicht bilden die Grundlagen der Insider-Strategie. Wer, wenn nicht das Management selbst, sollte am besten wissen, ob sich eine Investition in seine Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt am sinnvollsten ist?

Die Insider-Strategie in der Praxis 

Zunächst sollte sich der Anleger ausreichend über vorliegende Directors Dealings informieren und alle zugänglichen Quellen nutzen. Dabei sollte der potenzielle Investor vor allem darauf achten, welcher Vorstand größere Teile seines Privatvermögens in sein Unternehmen investiert. Umgekehrt sollte er bei einem bereits bestehenden Investment sein Augenmerk darauf legen, ob das Management größere Aktienpakete abstößt. 

Konsequenterweise wird ein Anleger, der die Insider-Strategie verfolgt, die Transaktion der von ihm beobachteten Vorstände mit den zu seiner Verfügung stehenden Mitteln nachbilden.

Wissenschaftliche Studien belegen den Erfolg 

In den zurückliegenden Jahren haben sich viele wissenschaftliche Studien mit der Frage befasst, ob sich mit der Imitation von Insidertransaktionen überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften lassen. Nahezu alle Studien waren sich einig. Die Insider-Strategie verspricht durchschnittlich höhere Renditen als der Gesamtmarkt. Börsenneulinge sollten allerdings sehr vorsichtig damit umgehen, da die Gefahr von Fehlsignalen groß ist.

3) Buy-on-rumors-Strategie

Anleger, die die Buy-on-rumors (zu Deutsch: Kaufe bei Gerüchten) verfolgen, investieren in Sondersituationen wie Squeeze-Outs, Übernahmekandidaten oder in die Neugewichtung der Indices. Derartige Sondersituationen erschließen Investoren außergewöhnliche Chancen auf Kursgewinne in den unterschiedlichen Märkten. 

Kursschübe bei Squeeze-Outs

Squeeze-Out-Verfahren bieten wegen des dabei auftretenden wirtschaftlichen Konflikts zwischen den Haupt- und Minderheitsaktionären eine ganze Reihe von Kurschancen. Während des laufenden Prozesses verändern sich die Kräfteverhältnisse der widerstreitenden Parteien, bis in dem Auf und Ab des Preisfindungsverfahrens ein Ergebnis abzeichnet.

Im Laufe des Verfahrens keimen Gerüchte, die wohl auch von den verschiedenen Interessenvertretern gezielt gestreut werden. Anleger, die bereits einige Erfahrung mit dem Verhalten der Parteien in Squeeze-Outs besitzen, können davon profitieren.     

Brodelnde Gerüchte um Übernahmekandidaten

Wenn eine Aktiengesellschaft eine andere übernehmen möchte, führt dies oft dazu, dass der Kurs des zu übernehmenden Unternehmens durch starke Aktienkäufe kräftig und über einen längeren Zeitraum hinweg steigt. Eines der ungeschriebenen Gesetzmäßigkeiten des Aktienmarktes ist die überdurchschnittliche Kursperformance von Übernahmekandidaten.

Eines der herausragenden Beispiele der jüngeren deutschen Börsengeschichte stellt die Übernahmeschlacht zwischen VW und Porsche dar, die den Kurs der VW-Aktie Ende 2008 in astronomische Höhen steigen ließ. Anleger, die sich hierbei richtig und vor allem rechtzeitig positioniert hatten, konnten deutliche Gewinne erzielen.

Indexveränderungen – Chance für Trader

Aktien, die neu in einen Auswahlindex aufgenommen werden oder deren Gewichtung erhöht wird, können tendenziell steigen. Dies hat verschiedene Gründe. Immer mehr Investoren werden auf diese Titel aufmerksam. Dennoch müssen eine Reihe von Faktoren beachtet werden. 

Wer als Anleger an einer Neugewichtung in einem Index verdienen möchte, sollte sich frühzeitig bei potenziellen nachrückenden Kandidaten positionieren. Die Problematik hierbei liegt in der Beschaffung der erforderlichen Informationen. 

Hintergrund für die Kursschübe bei Indexveränderungen ist zum einen in dem Umstand zu sehen, dass die Indexaufnahme die Wachstumsphantasie beflügelt, zum anderen sind institutionelle Investoren, die einen Index nachbilden, verpflichtet, sich ebenfalls an die veränderte Gewichtung oder die neue Index-Zusammensetzung anpassen.

Buy-on-rumors-Strategie anspruchsvoll

Für Privatanleger, der eher wenige Aktientitel handeln, ist die Spekulation auf Sondersituationen nicht besonders gut geeignet. Buy-on-rumors-Strategien haben den entscheidenden Nachteil, dass Sondersituationen nur schwer vorherschaubar und zutreffende Informationen nicht immer leicht verfügbar sind.

Darüber hinaus sollten Privatanleger im Auge behalten, dass die Zeitspanne, bis das gewünschte Szenario eintritt, mehrere Jahre dauern kann. Derartige Investitionen sollten mit einem großen Horizont von mehreren Jahren (5 bis 10) geplant werden.

4) Optimaler Ein- und Ausstiegszeitpunkt

Allen Investoren, die sich an der Börse engagieren möchten, sollte klar sein, dass der Aktienmarkt keine Einbahnstraße ist, er also immer mit Richtungswechseln rechnen muss. Jeder Börsenboom wird zwangsläufig ein Abschwung folgen. Die meisten Anleger sehen hierin jedoch keinen Grund nervös zu werden, nur so haben sie immer wieder die Gelegenheit, günstige Aktien kaufen zu können. 

Optimales Timing angesagt

Daher sollten Anleger Kenntnis von Maßnahmen besitzen, um größere Verluste durch ihre Aktiengeschäfte zu vermeiden. Hierzu ist es unabdingbar, dass die Investoren die geeigneten Zeitpunkte für den Ein- und Ausstieg ihrer Investments zu kennen.

Kostolany lässt grüßen 

Als eine der populärsten Börsenregeln gilt ein Zitat von André Kostolany, der einmal formulierte: „Ist die Börse „talk of the town“, wird überall, auf Partys, im Büro, ja sogar an der Bushaltestelle, nur über Aktien gesprochen, dann ist der Börsenkrach nicht mehr weit.“

Das Platzen des Internet-Hypes ist hierfür ein gutes Beispiel. Kurz bevor die Kurse zusammenbrachen, spekulierten Menschen an der Börse, die vorher ihr Geld höchstens ihrem Sparbuch anvertraut hätten.     

Optimalen Ein- und Ausstiegszeitpunkt finden

Über die Jahre hinweg und mit der Anwendung der digitalen Hilfemittel wurde eine große Zahl von Systemen entwickelt, die den richtigen Zeitpunkt für Transaktionen bei Aktieninvestments anzeigen sollen. Hierzu zählen auch mathematisch basierte Methoden, die die richtigen Zeitpunkte signalisieren sollen.

Die deutsche Umlaufrendite bei deutschen Aktien oder die Rendite der 10-jährigen US-Anleihen bei amerikanischen Aktien sind wichtige Indikatoren hierfür. Als Faustregel gilt: Umso höher die Umlaufrendite, umso größer wird das Risiko am Aktienmarkt. Zur Bestimmung des genauen Ausstiegszeitpunkts gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. 

Beispiel aus der Praxis

Eine Methode der Berechnung der optimalen Transaktionszeitpunkte ist beispielsweise: Der Anleger notiert sich den jeweiligen Wochenschlusskurs der Umlaufrendite, wie er im Internet leicht zu finden ist. Dann errechnet er den 4-Wochen-Durchschnittskurs und ermittelt die Höchst- und Tiefststände.

Als Einstiegssignal wird dann generiert, sobald der Durchschnittskurs um mindestens 13% unter seinem letzten Hoch liegt. Entsprechend kann als Ausstiegssignal gedeutet werden, sobald der Durchschnittskurs von seinem letzten Tief um mindestens 20% gestiegen ist.

5) Umkehr-Strategie

Bei der Umkehr-Strategie werden vor allem solche Aktien ausgewählt, die sich in der Vergangenheit schlecht entwickelt haben. Dabei spekulieren Investoren quasi darauf, dass diese Aktien irgendwann entdeckt werden und sich viele dann Anleger damit eindecken, wodurch die Kurse wieder klettern. Die Umkehr-Strategie ist praktisch das Gegenteil der Trendfolge-Strategie.

Umkehr-Strategen verhalten sich antizyklisch 

Bei dieser Aktienmarkt-Strategie erwerben Anleger die im vorangegangenen Monat am stärksten gesunkenen Aktien und gehen von einer Trendwende aus. Aus diesem Grunde wird die Umkehr-Strategie auch als „antizyklische Strategie“ bezeichnet. Dieser Strategieansatz ist aber nahezu identisch mit dem klassischen Begriff der „antizyklischen Börsenstrategie“.  

Mit einer antizyklischen Investmentstrategie versucht der Anleger gegen ein wiederkehrendes oder gewohntes Ereignis zu investieren. Der Anleger investiert gegen die Gewohnheit und damit gegen die Masse.

Diszipliniertes Verhalten unabdingbar 

Sowohl die Umkehr-Strategie wie die antizyklischen Börsenstrategie stellen dem herrschenden Trend an den Wertpapiermärkten ein entgegengesetztes Anlageverhalten gegenüber. Unter Börsianern herrscht darüber Übereinstimmung, dass Umkehrstrategien den gravierenden Nachteil mit sich, bringen, dass den Investoren oftmals der Mut fehlt, die Methode konsequent zum Abschluss zu führen. Selbstbewusstsein und Disziplin sind vonnöten, um diese Strategien in die Tat umzusetzen.

 Vorsicht: Fallen bei übereilten Handlungen 

Anleger sollten sich vor Augen führen, dass sie ihre Aktien zu früh verkaufen könnten und dass sie damit Gewinnchancen verpassen würden. Darüber hinaus kommt es nicht selten vor, mit einem Investment in die Verlustzone zu geraten.

Die Umkehr-Strategie kann aber auch besonders erfolgversprechend. Mit etwas Glück bei der Auswahl sind mit dieser Vorgehensweise recht ansehnliche Renditen möglich. 

„Kaufen, wenn die Kanonen donnern!“

Antizyklischer Anleger kaufen ihre Aktien, wenn andere Marktteilnehmer ihre Wertpapiere veräußern. Im Anschluss daran bringen diese Investoren die Geduld auf mit dem Verkauf der Papiere abzuwarten, bis der Abwärtstrend dreht und danach bis die Euphorie am größten ist. Antizyklische Investoren besitzen ein derart großes Ego, das sie sich kaum von der schlechten Stimmung anderer Anleger anstecken lassen. 

Antizyklische Anleger gehen davon aus, dass eine schlechte Marktstimmung bedeutet, dass die meisten Investoren ihre Wertpapieranlagen bereits verkauft haben und somit wieder genügend Liquidität für eine längerfristige Kurssteigerung durch Markt aufgebracht werden kann.

6) Canslim-Strategie

Die Canslim-Strategie geht auf die US-Börsenlegende William O’Neil zurück, der in seinem Buch „Wie man mit Aktien Geld verdient“ den siebenstufigen Investmentprozess Canslim vorstellte. Dieser zielt darauf ab, die besten Aktiengesellschaften Amerikas zu identifizieren.

Die Bezeichnung CANSLIM geht zurück auf die Anfangsbuchstaben der Strategie. 

C – current big or accelerating quarterly earnings per share

Die ausgewählte Gesellschaft sollte einen deutlichen Gewinnzuwachs gegenüber dem Quartal des Vorjahres erwirtschaftet haben. In der Börsengeschichte fielen große Kursanstiege von Aktien wachstumsstarker Unternehmen fast immer mit dynamischen Steigerungen der Unternehmensgewinne zusammen. 

A – annual earnings increases

Der jährliche Gewinnzuwachs sollte so hoch wie möglich sein. Hinterher kann sich ein einzelner guter Quartalsgewinn als Strohfeuer erweisen.

N – new product, new enterprise or new service

Gesellschaften, denen große Chancen zugebilligt werden können, sollten im sich besten Falle auf der Schwelle befinden, neue Produkte und neue Dienstleistungen ins Wirtschaftsleben einzuführen. Potenzielle Anleger sollten gezielt nach Unternehmen suchen, die bedeutende neue Produkte entwickeln oder vor Kurzem entwickelt haben.

s – supply and demand

Angehende Investoren sollten die Marktführer einer Branche kaufen, deren Aktienkurse hohe relative Stärke zeigen und das Momentum des Segments anführen. Die Marktführer besitzen oft die höchsten operativen Margen und gewinnen am schnellsten weitere Marktanteile.

I – institutional sponsorship

Positiv für Aktien ist auch, wenn sich mehr und mehr Fonds und institutionelle Anleger in dem Titel einkaufen und die Anzahl institutioneller Unterstützer Quartal für Quartal zunimmt. In den sogenannten factsheets vieler Fonds finden sich ihre größten Positionen.

M – market direction

In dem Fall, dass sich der entsprechende Gesamtmarkt in einem Abwärtstrend befindet, macht es wenig Sinn, sich in Einzelaktien zu engagieren. Für den Investor ist es daher wichtig, die Marktrichtung zu bestimmen.

Wenn diese Merkmale erfüllt sind, wird abgewartet, bis chart-technische Formationen das Signal zum Einstieg geben.

Was spricht für Canslim?

Wie eine US-amerikanische Studie beweist, handelt es sich bei dem Canslim-Prozess um eine gute Investmentstrategie für aktive Investoren, die nach Wachstumsaktien suchen.

Darüber hinaus spricht für das System, dass O’Neils Methdoe Aktien mit hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen nicht ausschließt. Aktien mit einem hohen KGV sind sehr viel schwankungsanfälliger und riskanter, bewegen sich allerdings am schnellsten.

7) Turnaround-Strategie 

Anleger investieren bei dieser Börsenstrategie in Aktien einer angeschlagenen Gesellschaft verbunden mit der Hoffnung, dass diese den Turnaround schafft. Turnaround ist die Wende eines in einer wirtschaftlichen Krise befindlichen Unternehmens von einer existenzgefährdenden Verlustzone in eine langfristige überlebenssichernde Gewinnsituation. 

Für Anleger mit Erfahrung

Um Gesellschaften erkennen zu können, die sich in einer derart bedrohlichen Lage befinden und darüber hinaus auch noch über Erholungspotenzial verfügen, benötigen potenzielle Anleger gute Bilanzkenntnisse und müssen sich intensiv mit dem Unternehmen auseinander gesetzt haben.

Sollte eine Gesellschaft in der Vergangenheit Verluste geschrieben haben oder aktuell noch in den roten Zahlen stecken, wenn allerdings der Sprung in die Gewinnzone kurz bevorsteht, ist die erhöhte Aufmerksamkeit Turnaround-orientierter Investoren gefordert. Mit derart positionierten Unternehmen lassen sich an der Börse hohe Gewinne erwirtschaften.

Beispiel der jüngeren Vergangenheit: Infineon

Während der Finanzkrise 2009 war der Chiphersteller Infineon fast pleite. Die Aktie rutschte bis auf 39 Cent und wurde aus dem Dax gestrichen. Finanzmarktexperten gaben der Gesellschaft keine Chancen mehr, jedoch gelang dem Management die Wende. Harte Sparmaßnahmen, der Verkauf von Firmenteilen und eine Kapitalerhöhung retteten das Unternehmen. Der Aktienkurs explodierte geradezu, bis derzeit auf über sechs Euro. 

Turnaround-Strategie überzeugt nicht immer 

Allerdings muss auch auf entscheidende Nachteile hingewiesen werden. Zum einen kann es sein, dass die Aktie den Turnaround nicht schafft und wieder verkauft werden muss, zum anderen hat sie diesen geschafft, kann jedoch keinen deutlichen Aufwärtstrend generieren.

Die Turnaround-Strategie birgt wesentlich höhere Risiken als vergleichbare Vorgehensweisen. Es droht der Totalverlust. Die Turnaround-Strategie ist hoch eine spekulative Strategie und sie setzt fundierte Kenntnisse voraus. Der Investor versucht, eine Widerstandszone zu finden, an der die Kurse der entsprechenden Aktien vom Abwärts- in den Aufwärtstrend wechseln.

Kursgewinne vor und nach dem Turnaround

Dennoch können Anleger, die diese Strategie erfolgreich anwenden, am Aktienmarkt mit hohen Kursgewinnen rechnen. Grundsätzlich kann angemerkt werden, dass Aktien solcher Gesellschaften meist einen geringen Kurswert aufweisen. Viele Privatinvestoren sind der Ansicht, dass sie Kursgewinne realisieren können, sobald der Turnaround vollzogen ist.

Es hat sich jedoch in der Praxis gezeigt, dass die Aktienkurse des betreffenden Unternehmens aber häufig schon vorher anziehen, da unter anderem von Managern und andere Firmenangehörigen Informationen über den bevorstehenden Turnaround durchgesickert sind. 

Wenn sich der Turnaround als nachhaltig erweist, werden auch nach der Wende von der Verlust- in den Gewinnzone mit weiteren positiven Nachrichten zusätzliche Kursgewinne einstellen.


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