9 Charttechnische Oszillatoren

1) Momentum

In der Chartanalyse ist Momentum ein Konzept zur Messung der Stärke einer Kursbewegung. Hierzu wird die Preisänderung innerhalb eines bestimmten Zeitraums auf verschiedene Weisen ermittelt. Das Momentum gilt als Indikator der Schwungkraft einer Kursbewegung, wobei die Geschwindigkeit oder die Kraft bzw. die Stärke einer Kursbewegung gemessen wird. 

Das Momentum ist eine wichtige Größe der technischen Analyse. Der Indikator liefert Informationen über Tempo und Kraft von Kursbewegungen sowie über Trendumkehrungen. 

Kurs als Spielball 

Dieses Phänomen im Kursverlauf wird manchmal mit dem Flug eines geworfenen Balles verglichen. Der Ball, den hochgeworfen wird, wird allmählich langsamer, bevor er seine Richtung ändert und wieder zu nach unten fällt. 

Kalkulation abhängig vom Intervall 

Das Momentum errechnet sich aus der fortlaufenden Division des aktuellen Kurses mit dem vor einer bestimmten Anzahl von Tagen. Das Ergebnis ist eine Kurve, die Momentumskurve genannt wird. Die Ausprägung dieser Kurve von ist abhängig von der gewählten Periodenlänge. Unter Analysten ist eine Einstellung von 20 Tagen gebräuchlich. 

Interpretation und Handlungsempfehlungen  

Die Kurve des Momentums kann wie ein Chartverlauf interpretiert werden. Umkehrpunkte im unteren Bereich der Kurve können als Kaufsignale verstanden werden. Entsprechend können Wendepunkte im oberen Bereich als Verkaufssignale gedeutet werden. 

Signale des Momentums 

Wenn das Momentum ständig oberhalb der 100%-Linie schwankt, wird dies in der Literatur als intakte Aufwärtsbewegung bezeichnet. Im umgekehrten Sinne gilt oberhalb der 100%-Linie die Abwärtsbewegung als bestätigt. In beiden genannten Fällen stellt das Erreichen einer Extremposition ein Handlungssignal dar. Bei der Interpretation wird diese Extremposition von Analysten definiert, da kein fester Wertebereich vorgesehen ist. 

Besonders gute Anzeichen liefern Divergenzen zwischen Indikatorlinie und Kursbewegung, wobei der Indikator den Kursen vorausläuft. Das Durchstoßen der 100%-Linie wird in den Vereinigten Staaten als Kauf-/ Verkaufssignal wahrgenommen, was allerdings von europäischen Chart-Technikern manchmal in Frage gestellt wird. 

Tipps für angehende Chart-Analysten 

Wer den Indikator einsetzen möchte, sollte die Länge der Periode des Momentums in jedem Fall den eigenen Trading-Gewohnheiten anpassen. Je länger die Einstellungen gewählt werden, glätten diese den Indikator und bilden vergleichbar sauberere Divergenzen aus.

Bei einer Untersuchung mithilfe des Momentums besteht eine weitere Möglichkeit darin, mehrere Varianten unterschiedlicher langer Intervalle übereinander zu legen und hierdurch verschiedene Filter zu generieren.

2) CCI (Commodity Channel Index)

Der Commodity Channel Index wurde 1980 von dem Wirtschaftsjournalisten Donald Lambert entwickelt und publiziert. Anfangs wurde der Indikator im Warenterminmarkt hauptsächlich für die Bestimmung des Beginns und des Endes von Rohstoffzyklen eingesetzt. 

Auch für die Analyse von Aktien 

In der Praxis spricht jedoch nichts dagegen, den CCI auch auf andere Wertpapiere anzuwenden. Der Commodity Channel Index berücksichtigt sowohl das Momentum wie den Preis. Der Indikator funktioniert besonders gut in Seitwärtsphasen mit einem deutlichen Seitwärtstrendkanal – in der sogenannten Tradingzone. 

CCI zur Trendbestimmung 

Mithilfe des Commodity Channel Index wird ermittelt, wie weit sich der Kurs von einem gewählten gleitenden Durchschnitt entfernt hat. Der Indikator liefert Hinweise darüber, ob ein Trend vorliegt. Er ist demnach ein Trendbestimmungsindikator. Unter diesem Aspekt ähnelt die Aussage des Index dem der Bollinger Bänder. 

Für stabile Trends ungeeignet 

Bei der Berechnung des Commodity Channel Index wird ein typischer Kurs angewandt, der sich dem arithmetischen Mittel aus Hoch-, Tief- und dem Schlusskurs eines Intervalls kalkuliert wird. Daraufhin wird die Differenz dieses typischen Kurses ins Verhältnis zu seinem Gleitenden Durchschnitt gesetzt. 

Das Ergebnis schlägt sich als positiver oder negativer Wert dar, der oft zwischen den Bandbreiten  -100 und +100 schwankt. Der Einsatz des Indikators ist in Tradingzonen zu empfehlen. In stabilen Trends sind allerdings keine brauchbaren Signale zu erwarten. 

Oft wird die Standardeinstellung von 5 bzw. 35 oder 38 Tagen verwendet. Chart-Experten bezeichnen 5 Tage als empfehlenswerte Einstellung.

Was sollten Anleger beim CCI beachten? 

Wenn der CCI von unten nach oben durch die -100 Signallinie klettert, stellt dies ein Kaufsignal dar. Es handelt sich ebenfalls um ein Kaufsignal, wenn der Indikator von unten nach oben durch die Mittellinie oder die Nulllinie steigt. Ein Verkaufssignal wird in dem Falle generiert, wenn der Commodity Channel Index von oben nach unten die +100 Signallinie kreuzt oder von oben nach unten durch die Mittellinie fällt. 

Darüber hinaus kann der CCI als zusätzliches Signal für den MACD angewandt werden. Divergenzen zwischen CCI und den entsprechenden Kursen weisen auf einen Trendwechsel hin.

3) RSI (Relative Stärke Index)

Der RSI, zu Deutsch Relative Stärke Index oder in Englisch Relative Strength Index, wurde 1978 von Welles Wilder entwickelt. Der RSI ist einer der beliebtesten Indikatoren, der von Börsianern und Analysten verwendet wird. Der Relative Stärke Index wird als ein Wert, der stets zwischen Maximal- und Minimalwert hin und her pendelt – also als Oszillator – betrachtet. Der Relative Stärke Index setzt die Stärke des aktuellen Aufwärtstrends ins Verhältnis. 

Der RSI unterstützt wirkungsvoll das Erkennen von Trendwendepunkten des zu analysierenden Wertpapiers. Verlaufsunterschiede zwischen Aktienkurs und Indikator können auf eine zukünftige Trendwende deuten. Der RSI-Indikator gilt als einer der wirksamsten Indikatoren, wenn er korrekt interpretiert wird. Der Indikator kann in extrem steigenden oder fallenden Märkten Fehlsignalen auslösen. 

Umsetzung des RSI

Zur Berechnung des RSI werden die Schlusskurse der steigenden Kerzen über einen Zeitraum von einer bestimmten Zahl von Zeiteinheiten herangezogen und daraus der Mittelwert gebildet. Dieser Wert wird einfach durch den Mittelwert der fallenden Balken (Kerzen, OHLC-Balken) dividiert. Wenn dann der Relative Stärke Index berechnet werden soll, lautet die Berechnung:

Formel: RSI = 100 – (100/(1+RS))

Was bedeuten die durch den RSI ermittelten Ergebnisse? 

Die auf diese Weise ermittelten Daten befinden sich immer im zwischen 0 und 100. Mit dem Indikator wird ein Aufwärtstrend dann bestätigt, wenn sich der RSI über 50 befindet. Liegen die Schwankungen unterhalb dieser Marke, wird ein Abwärtstrend bestätigt. Darüber hinaus kann der Relative Stärke Index auf Überkäufe und Überverkäufe von Währungen hinweisen.

Wenn der Wert des RSI über 70 notiert, gibt es kaum mehr Käufer auf dem Markt. Entsprechend werden die Kurse fallen, da die Marktteilnehmer in dem Falle Gewinne machen, indem sie in diesem überkauften Bereich verkaufen. Umgekehrt gilt bei einem RSI unter 30, also unter überverkauften Bedingungen,  die adäquate Situation.

Weitere Optionen des RSI

Neben den Bestätigungen des Auf- oder Abwärtstrends gibt es darüber hinaus unzählige weitere Möglichkeiten der Verwendbarkeit des RSI. Eine dieser Optionen ist, dass ein bestehendes Aufwärtssignal bestätigt werden kann, wenn der RSI sich über 55 befindet. Entsprechend wird ein Verkaufssignal verifiziert, wenn der Indikator unter 45 liegt.

Wie es für viele andere Indikatoren auch gilt, sollten die Signale des Relative Stärke Index nicht alleine die wegweisenden Handelsentscheidung beeinflussen.

4) ROC (Rate of Change)

Die Rate of Change wird als eigenständiger oszillierender Indikator geführt. Allerdings ist er mit dem Momentum stark verwandt. Beide Indikatoren vermitteln exakt die gleichen Aussagen. Der Unterschied zum Momentum liegt nur in der um eine Division erweiterten Berechnung. 

Momentum und ROC messen Kraft der Bewegungen 

Beide Indikatoren ermitteln die Stärke, die den Kursbewegungen immanent ist. Sie geben einen Maßstab an für die Beschleunigung oder Verlangsamung, der die Kursbewegungen unterliegen. Ein signifikanter Unterschied zwischen dem Momentum und der Rate of Change liegt darin, dass das Momentum mit absoluten Werten, während die Rate of Change mit relativen arbeitet. Somit misst die ROC die prozentualen Kursveränderungen im Basiswert. 

Mit dem ROC werden damit die gleichen vorauseilenden Signaleigenschaften wie mit dem Momentum gemessen. Die Beschleunigungskräfte, die einen Trend in Schwung halten, reduzieren sich, lange bevor die Trendrichtung eine Abnahme der Intensität erkennen lässt. Diese Veränderungen werden von der ROC grafisch darstellbar gemacht.

Berechnung des Rate of Change 

Die Berechnung des ROC gestaltet sich ähnlich einfach verglichen mit der des Momentum. Der aktuelle Schlusskurs eines Wertpapiers wird durch den Schlusskurs vor N-Kurseinheiten dividiert und das Ergebnis danach mit 100 multipliziert. Standardeinstellung der ROC sind 10 Tage, Wochen oder Monate. 

Abhängig vom Verwendungszweck können auch andere Parameter angewandt werden. In höheren Zeitebenen wie Wochen- oder Monatsebenen wird der ROC als trendfolgender Indikator eingesetzt. Auch bei wesentlich längeren Berechnungsperioden können mittel-, lang- oder auch kurzfristigen Trendzyklen eines Marktes erfasst werden.

ROC, ein trendfolgender Indikator 

Der trendfolgende Indikator ROC folgt dem Kursverlauf des Basiswertes und markiert dessen Trendwendezonen recht genau. Je kürzer die Einstellung der Intervalle gewählt wird, je stärker pendelt der Indikator um seine Mittellinie und umso schneller reagiert er auf kleinere Kursschwankungen.

Handelssignale beim ROC 

Wenn der ROC sich im positiven Bereich befindet und zeigt dabei eine steigende Tendenz, bedeutet dies eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. Entsprechend weist ein fallender ROC im gleichen Bereich ein mögliches Ende der Aufwärtsbewegung. Wenn der ROC sich im negativen Bereich befindet und zeigt dabei eine steigende Tendenz, bedeutet dies eine Fortsetzung des Abwärtstrends. Entsprechend deutet ein fallender ROC im gleichen Bereich ein mögliches Ende der Abwärtsbewegung.

Beim ROC entstehen klassische Kaufsignale, wenn der Indikator die Mittellinie von unten nach oben schneidet. Dagegen entstehen Verkaufssignale beim ROC, wenn der Rate of Change die Mittellinie von oben nach unten schneidet.

5) MFI (Money Flow Index)

MFI ist die Abkürzung für den Money Flow Index, ein oszillierender Indikator der technischen Wertpapieranalyse.  Er wurde von Gene Quong und Avrum Soudack als erste veröffentlicht und ist eine Erweiterung des Relative Strength Index (RSI). Beim MFI gibt es zusätzlich eine Volumenkomponente.

Eine der Ausgangspunkte für die Idee des Money Flow Index war, dass markante Wendepunkte im Kursverlauf durch einen Anstieg im Volumen gekennzeichnet sind. Indikatoren, die nur die Preisänderungen berücksichtigen, können das gesamte Bild nicht darstellen. Der Money Flow Index soll die Stärke des Geldes messen, wie es in den Markt herein und heraus fließt.

Wie der MFI berechnet wird 

Der MFI schwankt zwischen 0 und 100 und zeigt an, ob ein Wertpapier tendenziell überkauft oder überverkauft ist. Als Grundlage der Berechnung des MFI gilt wie auch beim RSI der typische Preis eines Wertpapiers, der sich als Durchschnitt aus dem höchsten, dem niedrigsten und dem Schlusskurs eines Tages ergibt. Wenn dieser im Vergleich zum vorherigen Handelstag steigt, deutet dieser Zuwachs auf einem positiven Money Flow (Geldfluss) und der MFI klettert. 

Formel: MFI = 100 – (100/(1 + Money Ratio)) 

Wenn im Gegensatz hierzu ein Kursrückgang verzeichnet wird, liegt ein negativer Geldfluss vor und der MFI rutscht ab. Durch die Multiplikation der Kurse mit den Tagesumsätzen, die bei starken Kursausschlägen meist anziehen, sind die Ausschläge des MFI deutlich höher als jene des RSI. Damit werden Übertreibungen am Markt noch offensichtlicher dargestellt.

Handlungsempfehlungen für Analysten

Der MFI generiert Kaufsignale besonders dann, wenn der Indikator sich in der überverkauften Zone zwischen 0 und 20 Punkten befindet und die Grenze zur neutralen Zone überschreitet. Dagegen ist es empfehlenswert, Wertpapiere zu verkaufen, wenn der MFI in den überkauften Bereich zwischen 80 und 100 gestiegen ist und anschließend nach unten in die neutrale Zone fällt.

Wenn sich der MFI durch neue Daten derart verändert, dass hierbei die 50er-Linie von unten nach oben gekreuzt wird, wird dies im Allgemeinen als Kaufsignal ausgelegt. Wenn die Mittellinie dagegen von oben nach unten gekreuzt wird, deutet dies ein Verkaufssignal an.

Ebenso ist es möglich, Hinweise aus dem Vergleich von MFI und Kurswert abzuleiten. Wenn beispielsweise der Kurs eines Wertpapiers noch eine Aufwärtsbewegung zeigt, während der MFI bereits abfällt, sind dies Anzeichen für das baldige Ende eines Aufwärtstrends.

6) OB/OS (Overbought/Oversold) 

Der OB/OS (Overbought/Oversold)-Indicator, zu Deutsch Überkauft-/Überverkauft-Indikator, weist auf Börsensituationen hin, in denen der Markt überkauft oder überverkauft ist.

Wenn der Markt durch massive Käufe überkauft ist, tritt darauf folgend oft eine Verkaufswelle ein, in der die Kurse wieder zurückfallen. Wenn der Kurs durch massive Verkäufe überverkauft ist, tritt darauf folgend eine Kaufwelle ein, in der die Kurse steigen. Diese Situationen versucht der OB/OS-Indicator kenntlich zu machen.

Ziele des OB/OS-Oszillators

Der OB/OS ist ein Indikator für die Marktbreite, der einen überkauften oder entsprechend überverkauften Markt signalisieren soll. Dabei basiert er auf der geglätteten Differenz zwischen der Anzahl gestiegener und gefallener Aktien. Der OB/OS-Indikator unterstützt das Erkennen von Trendwendepunkten des zu analysierenden Wertpapiers. Allerdings sollte das Instrument lediglich in Zeiten mit trendlosen Märkten und innerhalb von Tradingzonen angewandt werden.

Formel: OB/OS = (C – Min x) / (Max x – Min x)

Kauf- bzw. Verkaufssignale beim OB/OS

Bei den Signalbereichen werden von Analysten unterschiedliche Größen angegeben. Während vorsichtigere Chart-Techniker ihre Signal-Linie bei 10/90 ziehen, finden sich in der Literatur auch Grenzbereiche von 20/80, 25/75 und 30/70.

Dennoch gehen alle technischen Analysten davon aus, dass, wenn der OB/OS-Indikator in den neutralen Bereich von unten nach oben steigt, ein Verkaufssignal angezeigt wird. Umgekehrt, wenn der OB/OS-Indikator von oben nach unten in den neutralen Bereich fällt, ein Kaufsignal generiert wird.

Ebenso ist das Über- bzw. Unterschreiten der 50%-Linie auch als Kauf- oder Verkaufssignal zu interpretieren. Allerdings erfolgt dieses Signal eher zu spät und ist aus diesem Grunde nicht mehr so effektiv. Ein Trendwechsel wird erwartet, wenn der OB/OS-Indikator Divergenzen im Chart aufdeckt.

OB/OS – Urform des Oszillators

Der Overbought/Oversold-Indikator ist die Urform eines Oszillators. Der OB/OS stellt dar, an welchem Punkt des gewöhnlichen Schwankungsbereichs sich der Chart eines Wertpapiers in einem bestimmten Berechnungszeitraum befindet. Als Parameter werden 20 Tage empfohlen.

Widersprüchliche Signale möglich

Der OB/OS kann widersprüchliche Signale liefern, wenn der Indikator mehrfach mit verschiedenen Parametern berechnet wird. Besonders in längeren Aufwärts- oder Abwärtstrendphasen kann der mit dem kurzfristigen Zeithorizont berechnete Indikator Handlungssignale anzeigen, während der langfristige noch auf „halten“ deutet.

7) Stochastik

Nach der Definition ist die Stochastik ein Oszillator, der die Bedingungen eines überkauften oder überverkauften Markts misst. Der Stochastik-Indikator ist speziell für die Ermittlung von Umkehrpunkten in Seitwärtsbewegungen und leichten Trendphasen geeignet. 

In Phasen ausgeprägter Trends ist ihr Einsatz weniger sinnvoll. Die Stochastik sollte nur in Verbindung mit trendfolgenden oder trendbestätigenden Indikatoren verwendet werden wie beispielsweise dem TBI-Indikator.

Grundlagen des Stochastik-Indikators

Grundlage des Stochastik-Indikators ist die Erkenntnis, dass während einer Aufwärtsbewegung die Kurse näher an den Tages-Höchstkursen liegen. Dagegen befinden sich bei einer Abwärtsbewegung die Kurse näher an den Tages-Tiefstkursen. Der Stochastik-Indikator vergleicht den jeweiligen Schlusskurs bezogen auf die Handelsspanne (Unterschied Hochkurs -Tiefkurs) des gewählten Handelsintervalls. 

Kauf- bzw. Verkaufssignale der Stochastik

Der Stochastik-Indikator wird durch zwei Linien dargestellt, einer schnellen schwarzen Linie und einer langsamen roten Linie. Signale werden durch das Überkreuzen der beiden Linien und/oder zusätzlich durch das Niveau (Skala von 0-100) generiert, auf dem sie sich ergeben. Stochastik-Werte oberhalb von 70 oder 80 – hier kommt es auf die Risikofreude des Analysten an – deuten einen überkauften Zustand, Werte unterhalb von 30 oder 20 zeigen entsprechend einen überverkauften Zustand an.

Bedeutung der Signale des Stochastik-Indikators 

Der Stochastik-Indikator ermittelt das Verhältnis zwischen einem Schlusskurs und der Spanne der täglichen Schwankung. Die tägliche Spanne zwischen Höchst- und Tiefstkurs spiegelt die maximalen Werte wider, die Käufer zu zahlen bereit waren oder – umgekehrt – die Verkäufer mindestens verlangt hatten. Dabei kann das Verhältnis, wie der Schlusskurs zu diesen Extremwerten steht, Informationen darüber liefern, wer zum Handelsende vorne gelegen hat und wie die Entwicklung weitergeht.

Wenn ein Wertpapier nahe seines Tageshochs schließt, ist davon auszugehen, dass das Potenzial der Käufer ungebrochen ist und die positive Entwicklung anhält. Dies gilt umgekehrt auch für die Verkäufer und den Tagestiefstand. Eine Stochastik-Indikator schwankt zwischen Werten von 0 bis 100, wobei die Extreme selten erreicht werden.

Vorsicht vor Fehlsignalen

Wertpapiere, die sich in stabilen Auf- oder Abwärtsphasen befinden, generieren innerhalb ihres Trends häufig verfrühte falsche Kauf- und Verkaufssignale. Daher gilt als Empfehlung, dass eine Stochastik immer zusammen mit einem längerfristigen, trendfolgenden Indikator verwendet werden sollte.

8) Slow Stochastik

Wie bei der Stochastik auch ist eine Grundlage der Slow Stochastik das Phänomen, dass im Laufe einer Aufwärtsbewegung die Kurse näher an den Tages-Höchstkursen liegen, wogegen sich bei einer Abwärtsbewegung die Kurse näher an den Tages-Tiefstkursen befinden. Der Slow Stochastik-Indikator gibt an, ob der Schlusskurs eines Wertpapiers im Tagesablauf eher am oberen oder am unteren Ende der Handelsspanne liegt. Durch die Slow Stochastik lassen sich Prognosen über den Kursverlauf ermitteln.

Slow Stochastik genauer als Stochastik 

Der Slow-Stochastik Indikator vergleicht den jeweiligen Schlusskurs bezogen auf die Handelsspanne, die Differenz zwischen dem Höchstkurs und dem Tiefstkurs im gewählten Handelsintervall. Weil die normale Stochastik vielen Analysten zu unruhig ist, wird oft die (langsame) Slow-Variante dieses Indikators verwendet. Diese generiert zwar weniger Signale, dafür jedoch mit einer höheren Trefferquote.

Der signifikanteste Unterschied zwischen der normalen Stochastik und der Slow Stochastik besteht darin, dass statt aller Kurse in der Zeitperiode lediglich der Schlusskurs untersucht wird.

Kursentwicklung berechnen 

Die Ermittlung durch die Slow Stochastik wird praktiziert, indem die Differenz aus dem Schlusskurs und dem niedrigsten Kurs des Zeitintervalls mit der Handelsspanne – also der Differenz aus höchsten und niedrigsten Kurs – ins Verhältnis gesetzt und mit Hundert multipliziert wird. Dadurch kann die Kursentwicklung, in der Regel über drei bis acht Tage, analysiert werden und auf diese Weise wird die sogenannte %K-Linie gewonnen. Hieraus wird die %D-Linie gewonnen, die den gleitenden Durchschnitt der %K-Linie darstellt.

Kauf- und Verkaufssignale beim Slow Stochastik 

Die Auswertung erfolgt wie bei der „einfachen“ Stochastik. Chart-Techniker gehen von einem Kaufsignal aus, wenn die %K-Linie die %D-Linie von unten nach oben schneidet. Entsprechend handelt es sich um ein Verkaufssignal, wenn die  %K-Linie die %D-Linie von oben nach unten kreuzt. 

Darüber hinaus interpretieren die Analysten Kaufsignale, wenn die %K-Linie aus dem unteren Grenzbereich über 20 oder je nach Risikobereitschaft über 30 klettert. Analog wird von einem Verkaufssignal ausgegangen, wenn die %K-Linie aus dem oberen Grenzbereich unter 80 oder 70 rutscht. Ferner kann ein Trendwechsel bevorstehen, wenn der Slow Stochastik-Indikator auf Divergenzen zum Aktienverlauf hinweist. 

Geeignet in Trendphasen 

Der Slow Stochastik-Indikator ist wie die Stochastik für die Entdeckung von Umkehrpunkten bei Seitwärtsbewegungen und leichten Trendphasen geeignet. In Phasen ausgeprägter Trends ist es weniger sinnvoll, die Stochastik-Indikatoren einzusetzen. Beide sollten lediglich in Verbindung mit trendfolgenden oder trendbestätigenden Indikatoren wie dem TBI-Indikator verwendet werden.

9) Williams Percent Range

Der Williams Percent Range (%R) ist ein weiterer oszillierender Indikator. Er wurde 1966 von Larry Williams entwickelt, um Investoren ein Hilfsmittel für die Identifikation von überkauften und überverkauften Märkten zur Verfügung zu stellen. 

Der Williams Percent Range ist äußerst flexibel und kann in allen Märkten und den unterschiedlichsten Zeitintervallen eingesetzt werden. Der Indikator eignet sich in erster Linie für die Analyse von Seitwärtsbewegungen im Kursverlauf eines Wertpapiers. Ein zu Grunde liegender Wert wird zu den Schlusskursen ins Verhältnis gesetzt. Die Berechnung lautet: 

Formel: %R = (H-C) / (H-L) x 100 

Wann eignet sich der %R? 

Der Williams Percent Range (%R) Indikator entspricht einem Überkauft/Überverkauft-Oszillator, der zwischen den Grenzwerten 0 und 100 pendelt. Dieser Indikator ist darauf ausgerichtet, die Differenz zwischen dem Periodenhoch und dem aktuellen Schlusskurs mit der Handelsspanne des Beobachtungszeitraumes ins Verhältnis zu setzen. 

Der Williams Percent Range (%R) eignet sich besonders in Seitwärtsphasen und leichten auf- oder abwärts gerichteten Trends. In ausgeprägten Trends ist es weniger sinnvoll, den %R einzusetzen. Darüber hinaus sollte der Indikator lediglich in Verbindung mit trendfolgenden oder trendbestätigenden Indikatoren verwendet werden. 

Kauf- bzw. Verkaufssignale beim Williams Percent Range 

Beim Williams Percent Range-Indikator wird ein überkaufter Zustand signalisiert, wenn das Wertpapier oder der Markt im Bereich von 20 bis 0 notiert. Entsprechend deutet der %R auf einen überverkauften Zustand, wenn das Wertpapier im Bereich von 80 bis 100 notiert.

Bei der Generierung von Kauf- bzw. Verkaufssignalen sind zwei mögliche Varianten zu unterscheiden: Zum einen deutet alles auf ein Kaufsignal, wenn der Indikator den Grenzbereich zwischen 80 und 100 nach unten verlässt, zum anderen ist ein Verkaufssignal angezeigt, wenn der %R den Grenzbereich zwischen 20 und 0 nach oben durchbricht. 

Darüber hinaus sprechen die Analysten beim Williams Percent Range-Indikator von einem Kaufsignal, wenn sich der %R seit 5 Perioden im Signalbereich um 100 befindet. Demgemäß handelt es sich um ein Verkaufssignal, wenn der Indikator seit 5 Perioden im Signalbereich um 0 pendelt.