Interview mit Karl Matthäus Schmidt, Gründer von quirion:
„Die Digitalisierung wird aus meiner Sicht den Banken- und Finanzbereich vollständig und tiefgreifend verändern“

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Michael Beutel von Brokervergleich.de im Interview mit Karl Matthäus Schmidt, Gründer von quirion.

Fassen Sie bitte kurz zusammen, welche Idee hinter quirion steckt.

Quirion ist ein Robo-Advisor mit ausgeprägter Assset-Management-Kompetenz. Anlegern, die nicht wissen, wie sie am Kapitalmarkt anlegen sollen, helfen wir mit gezielten Fragen, ihr persönliches Risiko-Rendite-Profil zu erarbeiten. Auf dieser Basis erhalten sie dann ein auf ihren individuellen Bedarf zugeschnittenes Portfolio: kostengünstig, wissenschaftlich und prognosefrei. Die Portfolios werden vom quirion-Asset-Management verwaltet. Für den Kunden ist das bequem, zeitsparend und preiswert: er wird einmal online durch den Beratungsprozess geführt, alles andere nimmt quirion ihm ab.

Was macht das Angebot quirion interessanter als das eines klassischen Vermögensberaters?

Anleger profitieren mit quirion einfach, kostengünstig und transparent von den Vorteilen einer professionellen Vermögensverwaltung. Die Portfolios sind mit preisgünstigen und effizienten Indexfonds hinterlegt. Die Systematik der Zusammenstellung folgt wissenschaftlichen Prinzipien. Das ist eine völlig neue, intelligente Art der Vermögensverwaltung, die Anlegern die faire Rendite des Marktes sichert.

Welche Vorteile haben Ihre Kunden gegenüber Anlegern, die sich selbst ein günstiges ETF-Portfolio zusammenstellen?

Quirion richtet sich an Kunden, die ihr Vermögen nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen online verwalten lassen wollen. Und das in sehr einfacher, verständlicher und auf die individuellen Bedürfnisse der Anleger ausgerichteten Form. Damit bietet quirion ein hohes Maß an Orientierung. Darüber hinaus werden die Anlagen von einem professionellen Vermögensverwaltungsteam gemanagt und regelmäßig in ihrem Ausgangszustand zurückgeführt, um die Renditechancen zu optimieren. Dies ist in kompletter Eigenregie so nicht möglich. 

Welche Anleger sprechen Sie mit Ihrem Angebot an und wie sieht der typische quirion-Kunde bisher aus?

Eine wachsende Zahl von Menschen bewegt sich souverän im Netz und geht nur noch zur Bank, wenn es unbedingt sein muss. Genau diese Kunden stehen neuen Anbietern von Finanzdienstleistungen im Netz positiv gegenüber, zumal wenn es sich um kostentransparente und verbraucherfreundliche Angebote handelt. Der typische quirion-Kunde investiert durchschnittlich ca. 35.000 Euro. Er nutzt in der Regel seit vielen Jahren Online-Banking-Angebote und ist an einer professionellen Vermögensverwaltung zu günstigen Konditionen interessiert – dafür verzichtet er auf eine enge persönliche Betreuung durch einen Berater.

Wer dennoch telefonischen Rat möchte, kann diesen ab 37,50 Euro pro Viertelstunde bekommen. Im Schnitt sind die quirion-Kunden rund 49 Jahre alt, das heißt unser Angebot wird sowohl von den „digital natives“ angenommen als auch von der reiferen Generation selbstbestimmter Anleger.

Wie hoch ist das Risiko für den Anleger? Worauf sollten Anleger achten?

Jeder Anleger bestimmt das Risiko, das er eingehen möchte, selbst. Wir unterstützen dabei, die persönliche Risikotoleranz besser einschätzen zu können. Der Anleger hat dazu die Wahl zwischen elf Portfolios mit einer Aktien-/Anleihen-Gewichtung zwischen 0 und 100 Prozent, Eine risikoarme Variante besteht beispielsweise aus 20 Prozent Aktien und 80 Prozent Anleihen. Gerne gewählt werden auch Portfolios mit mittlerem Risiko, die aus 50 % Aktien und 50 Anleihen bestehen. 

Zur Risikoabsicherung der Depots führen unsere Anlageexperten ein regelmäßiges Rebalancing durch. Dabei erfolgt eine Anpassung an das Ausgangsportfolio, wenn es durch starke Veränderungen an den Märkten zu mehr als 10 Prozent Abweichung von der Sollgewichtung kommt. 

Ganz grundsätzlich sind die Depots der quirion-Kunden abgesichert durch die Einlagensicherung der quirin bank, die als Vollbank hinter quirion steht. Das unterscheidet quirion von vielen anderen FinTechs im Markt. 

Ein Ausblick: Wie wird sich der Bereich der Vermögensverwaltung in den kommenden 5 bis 10 Jahren entwickeln? Welche Rolle wird quirion dabei spielen?

Die Digitalisierung wird aus meiner Sicht den Banken- und Finanzbereich vollständig und tiefgreifend verändern. Insofern halte ich die digitale Vermögensverwaltung für mindestens genauso bedeutend, wie die Einführung der börsengehandelten Indexfonds vor 15 Jahren. Ich traue den sogenannten Robo-Advisern einen Marktanteil von mindestens 30 Prozent zu. Das entspricht ziemlich genau dem Anteil, den die Direktbanken derzeit am Privatkundengeschäft der Banken haben. 

Ein Blick in die USA bestätigt diesen Trend. Digitale Vermögensverwalter sollen in den USA bis Ende 2015 rund 60 Millliarden Dollar verwalten, schätzt das Analysehaus Aite Group. Gemessen am US-Markt für Privatkunden mit 1400 Milliarden Dollar wären das zwar gerade einmal 4 Prozent, aber 44 Milliarden Dollar mehr als noch in 2014. 

Analysten von KPMG sehen auch die Möglichkeit, dass Apple, Google oder Facebook auf diesem Markt mitspielen. In China zeigt Alibaba bereits wie das gehen kann: mit einer eigenen Bank und einem eigenen Fonds, der prompt zum größten Vermögensverwalter im Reich der Mitte wurde. 

Europa und Deutschland werden sich diesem Trend nicht entziehen können. Mit unserem FinTech quirion wollen wir uns einen Teil dieses Wachstumsmarkts sichern.