Depotvergleich: Gezielt nach dem besten Broker suchen

Jeder Depotwechsel sollte zum Anlass für die gezielte Suche nach dem besten Broker für die eigenen Anlageziele genommen werden. Sind diese möglichst konkret definiert gilt es nach dem optimalen Verhältnis von Gebühren zu Leistungen zu suchen. Dabei hilft ein Kriterienkatalog für jeden relevanten Leistungsbereich.

Pauschale Entgelte müssen nicht sein

Die meisten Anleger vergleichen im ersten Schritt pauschale Depotführungsentgelte, auch wenn diese bereits bei etwa zwei Dutzend Transaktionen pro Jahr deutlich weniger wichtig sind als die Gebühren im Handel. Dennoch gilt: Je weniger pauschale Entgelte in Rechnung gestellt werden, desto besser. Neben der Depotführung ist im Idealfall auch die Eröffnung von Verrechnungs- und Fremdwährungskonten ohne Einschränkungen kostenlos. Gewährt ein Broker attraktive Zinssätze auf täglich fällige Einlagen ist das ein Pluspunkt.

Transaktionskosten im Vergleich

Zu den wichtigsten Kriterien im Brokervergleich zählen die Gebühren für Wertpapierorders. Sofern Aufträge nicht nur an inländischen Börsenplätzen erteilt werden sind dabei auch die Entgelte für Orders an Auslandsbörsen relevant. Das Gebührenmodell eines Brokers sollte so gut wie möglich zu den geplanten Transaktionen passen. Zu berücksichtigen sind dabei auch Gebühren für die Erteilung von Limits sowie gegebenenfalls für nicht über das Internet erteilte Orders.

Vieltrader erhalten Gebührenrabatte

Ein Gebührenvergleich macht nur Sinn wenn erzielbare Rabatte berücksichtigt werden. Anleger mit geringer bis mittlerer Handelsaktivität erhalten solche Rabatte nicht. Je nach Broker sind 100-500 Transaktionen pro Kalenderjahr notwendig, um die erste Stufe einer Rabattstaffel zu erreichen. Die Preisnachlässe können 5-80 % der regulären Ordergebühren erreichen. Rabatte beziehen sich zumeist nur auf einen Teil der Gebühr, etwa auf die volumenabhängige Provision unter Ausklammerung der Grundgebühr und handelsplatzabhängiger Entgelte sowie Fremdspesen.

Konditionen und Partnerschaften im außerbörslichen Handel

Der außerbörsliche Handel lohnt sich vor allem für derivative Finanzinstrumente wie Optionsscheine, Knock-out Zertifikate und strukturierte Produkte. Die meisten Broker setzen die Gebühren für OTC Trades genauso hoch an wie für börsliche Orders, verzichten aber auf handelsplatzabhängige Entgelte bzw. belassen es bei geringen Abwicklungspauschalen von zumeist weniger als 1,0 €.

Neben den regulären Konditionen im außerbörslichen Handel sind jedoch vor allem die Partnerschaften mit Emittenten relevant. Mit je mehr Emittenten intensive Vertriebspartnerschaften bestehen desto häufiger können die Produkte der Anbieter zu vergünstigten oder ganz ohne Gebühren gehandelt werden. Die Kostenersparnis kann einige hundert Euro  im Jahr ausmachen.

Angebot und Konditionen im Fondsgeschäft

Aktiv verwaltete Investmentfonds bilden für einen Großteil der Privatanleger in Deutschland noch immer einen Schwerpunkt in der Kapitalanlage. Beim Vergleich verschiedener Broker sind deshalb die Konditionen im Fondsgeschäft ein wichtiges Kriterium. Wenn häufiger Fonds erworben werden sollten möglichst üppige Rabatte auf die regulären Ausgabeaufschläge der KAGS gewährt werden. Pauschale Rabatte auf das gesamte Sortiment sind selektiven Rabatten auf einzelne Fonds dringend vorzuziehen, da ansonsten regelmäßig unattraktive Fonds mit einem besonders attraktiven Rabatt verbunden werden.

EUREX und CFDs

Anleger, die regelmäßig an Terminbörsen wie der EUREX oder mit Differenzkontrakten (CFDs) handeln sollten im Vorfeld eines Depotwechsels grundsätzlich prüfen, ob diese Geschäfte unter einem Dach mit dem Wertpapiergeschäft geführt werden müssen. Ist dies der Fall reduziert sich das Angebot geeigneter Broker deutlich, was nicht selten mit unnötig schlechten Konditionen einhergeht. Es ist nahezu unmöglich, in den drei Bereichen Wertpapiergeschäft, Terminhandel und CFDs bestmögliche Konditionen zu erhalten wenn alle drei Bereiche bei einem Broker abgewickelt werden. Die Trennung in 2-3 Konten ist deshalb regelmäßig sinnvoll.

Sitz des Brokers, Handelsplattform, Ausbildungsangebot und Kundenservice

Für sehr aktive Anleger kann es sinnvoll sein, über einen Broker mit Sitz im Ausland zu handeln. Unterhält ein Broker in Deutschland lediglich eine Zweigniederlassung fungiert er nicht als Zahlstelle der deutschen Finanzämter. Das führt dazu, dass die Abgeltungssteuer nicht direkt auf Bankebene einbehalten, sondern am Jahresende durch den Anleger selbst ermittelt und an das Finanzamt abgeführt wird. Daraus ergibt sich während des Jahres ein Liquiditätsvorteil.

Auch der Funktionsumfang und die Leistungsfähigkeit der durch den  Broker gestellten Handelsplattform sollten im Depotvergleich berücksichtigt werden. Die Bandbreite der Angebote ist bemerkenswert: Einige Anbieter beschränken sich auf rudimentäre Plattformen ohne nennenswerte Zusatzfusionen, andere stellen vollwertige Charting- Analysetools mit Schnittstellen zum Import von Skripten für mechanische Handelssysteme etc. zur Verfügung. Schließlich sollten auch das Ausbildungsangebot (möglichst „ernst“ gemeint) und der Kundenservice (möglichst qualifiziert) berücksichtigt werden.

Prämien und Rabatte für Neukunden

Depotkonten werden ebenso wie Girokonten und Tagesgeldkonten mit Prämien und Rabatten für Neukunden beworben. Anleger können zwischen hausintern quersubventionierten Zinssätzen für Tagesgeldkonten, Gutschriften, Sachprämien und Gebührenrabatten wählen. Grundsätzlich sollte ein Depotwechsel nicht allein von Neukundenofferten abhängig gemacht werden, da sich die anfängliche Gutschrift bei einer falschen Brokerwahl durch unnötig hohe Gebühren rasch rächt. Es spricht jedoch nichts dagegen die Aktionen der Anbieter zu vergleichen und gegebenenfalls ein Schnäppchen mitzunehmen. Bei hoher Handelsaktivität oder einem Depotübertragsvolumen im fünfstelligen Bereich sind Prämien im Wert von 300-500 € marktüblich.