Depotwechsel ins Ausland: Das müssen Anleger beachten

Ein Depotübertrag von einer ausländischen zu einer deutschen Bank bzw. von einem deutschen Broker zu einem Institut im Ausland kann aus verschiedenen Gründen sinnvoll sein. Anleger müssen allerdings die gesetzlichen Rahmenbedingungen beachten und mit einem etwas umständlicheren Ablauf rechnen.

Depotwechsel aus dem Ausland nicht kostenlos

Depotüberträge aus einem anderen Land nach Deutschland sind sehr viel umständlicher als Depotüberträge innerhalb Deutschlands. Erstens fallen zum Teil horrende Gebühren an: Viele Broker in der Schweiz verlangen für jede einzelne zu übertragene Position eine Gebühr von ca. 50 Fr. Außerdem sind Banken im Ausland nicht verpflichtet, der aufnehmenden Bank die Einstandskurse mitzuteilen. Die Erfahrung zeigt dass durchaus notwendig sein kann, sehr häufig nachzufragen und auf die Übermittlung der Anschaffungskurse zu bestehen.

Übermittlung der Einstandskurse klappt nicht immer anstandslos

Unterlässt es die ausländische Bank die Einstandkurse mitzuteilen steht Anlegern viel bürokratischer Aufwand bevor. Die aufnehmende Bank geht dann in steuerlicher Hinsicht im schlimmsten Fall von einem Anschaffungspreis in Höhe von 0,01 € pro Wertpapier aus und verbucht den gesamten darüber liegenden Kurswert als (zunächst noch nicht realisierten) Gewinn. Wird das Wertpapier später tatsächlich veräußert wird auch Abgeltungssteuer in entsprechender Höhe einbehalten. Anleger müssen in einem solchen Fall anhand ihrer Depotauszüge nachweisen zu welchem Kurs die Anschaffung tatsächlich erfolgte. Für die Korrektur von Einstandskursen können Gebühren anfallen.

Nicht alle Ursprungsländer werden angenommen

Anleger müssen damit rechnen, dass Wertpapiere und Depots aus bestimmten Ländern nicht ohne weiteres zu jedem Broker nach Deutschland übertragen werden können. So schließt die ING-DiBa beispielsweise den Übertrag von türkischen Wertpapieren sowie von Depots aus den USA, Kanada, Großbritannien und Irland aus.

Der Übertrag von Depots von einem deutschen Broker ins Ausland ist prinzipiell mit denselben Hürden verbunden. Es hängt vom Zielland ab, wie umständlich der Vorgang ist und ob lange nach einer Bank gesucht werden muss, die überhaupt Depots aus Deutschland annimmt.

Steuertricks sind aussichtslos

Anleger, die ihr deutsches Wertpapierdepot ins Ausland übertragen und dadurch Kapitalerträge am Fiskus vorbei schleusen möchten, sind gut beraten von diesem Vorhaben Abstand zu nehmen. Es ist aufgrund diverser internationaler Abkommen über automatischen Informationsaustausch- und Abgleich nahezu aussichtslos, Einkünfte aus Kapitalvermögen vor den Finanzbehörden dauerhaft zu verbergen. Ehrlichkeit zahlt sich deshalb aus!

Wird ein Depot in einem anderen EU Mitgliedstaat eröffnet, gilt nicht die Quellensteuer sondern die Abgeltungssteuer. Diese wird jedoch bei dem Broker im Ausland nicht automatisch abgeführt. Anleger müssen die anfallende Steuer deshalb selbst ermitteln und ihrem Finanzamt anzeigen. Die Versteuerung zum pauschalen Steuersatz von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ist trotzdem möglich.