Was sind die wichtigsten technischen Indikatoren?

Technische Indikatoren gehören zum Feld der Marktechnik. Sie helfen bei der Einschätzung des Marktes und bieten gegenüber der Charttechnik einen entscheidenden Vorteil: Da sie auf einer mathematischen Formel beruhen, sind sie sehr viel objektiver als manuell angelegte Trendlinien oder Widerstände und Unterstützungen, die mit dem „bloßen Auge“ identifiziert werden.

  • Mit Indikatoren wird die technische Verfassung des Marktes gemessen
  • Die wichtigsten Indikatoren sind Trendfolger und Oszillatoren
  • Der Vorteil von technischen Indikatoren liegt in ihrer Objektivität

Ein Vorteil dieser Objektivität betrifft automatische Handelssysteme. Bei diesen werden Handelsentscheidungen auf der Grundlage von Regelsystem getroffen. Ein Regelsystem definiert dabei eine Konstellation von (zumeist mehreren) Indikatoren, die eine bestimmte Aussage treffen.

In der einfachsten Form kann ein automatisches Handelssystem z.B. die Eröffnung eine Longposition indizieren, wenn die verwendeten Indikatoren die Ausbildung eines Aufwärtstrends anzeigen. Automatische Handelssysteme ermöglichen es, frei von Emotion und Subjektivität am Markt zu agieren.

  • Mit Indikatoren können automatische Handelssysteme aufgebaut werden
  • Automatische Handelssystem eliminieren Subjektivität und Emotion

Die Basis von Indikatoren ist immer der Markt selbst – die Kurse fließen in die Berechnung mit ein. Deshalb gibt es auch keinen Indikator, der mit absoluter Sicherheit die künftige Marktentwicklung indizieren kann. Indikatoren sind lediglich einer von mehreren Bestandteilen der technischen Marktanalyse. Praktisch jede Trading-Software bietet eine reichhaltige Auswahl an technischen Indikatoren.

Gleitende Durchschnitte und MACD

Indikatoren werden in zwei Gruppen eingeteilt: Neben dem Trendfolgeindikatoren kommen auch Oszillatoren oft zum Einsatz.

Trendfolgende Indikatoren laufen dem Markt hinterher. Ihr Nutzen besteht darin, dass sie einen Trend identifizieren. Sie sind dabei sehr viel neutraler als Trendlinien und Trendkanäle.

  • Trendfolgeindikatoren zeigen an, ob ein Trend besteht
  • Die simpelsten Trendfolgeindikatoren sind gleitende Durchschnitte

Die einfachsten trendfolgenden Indikatoren sind gleitende Durchschnitte. Es handelt sich dabei um eine Art geglättete Trendlinie. In einen einfachen gleitenden Durchschnitt (SMA= Simple Moving Average) gehen die Kurse der letzten X Zeitintervalle (z.B. Tage oder Stunden) ein. Ist ein neues Intervall vorüber, wird es dem Durchschnitt hinzugefügt. Zugleich fällt das das Intervall, das am weitesten zurückliegt, heraus.

Gleitende Durchschnitte werden als Linie zusammen mit dem Chart des Marktes betrachtet, dessen Verlauf sie abbilden. Steigt der Markt von unten über die Linie des Durchschnitts, ist dies ein Kaufsignal, weil offensichtlich die Nachfrage das Angebot übersteigt. Umgekehrt gilt ein Durchkreuzen des Marktes von oben nach unten als Verkaufssignal.

  • Steigt der Markt über seinen gleitenden Durchschnitt, ist dies ein Kaufsignal
  • Fällt der Markt unter seinen gleitenden Durchschnitt, ist dies ein Exit/Short-Signal

Prinzipiell ist es deshalb möglich, allein auf der Grundlage eines gleitenden Durchschnitts Handelsentscheidungen zu treffen. Eine Exit-Strategie ist dabei bereits vorhanden: Anleger können solange long gehen, wie der Markt über seinem Durchschnitt verharrt und die Position schließen (bzw. drehen), wenn der Markt unter den Durchschnitt fällt. Für die Praxis taugt ein solch simpler Ansatz allerdings wenig. Gleitende Durchschnitte haben zu viele Schwächen. Zudem sind ihre Aussagen extrem stark von der Einstellung der Parameter abhängig.

Die Eigenschaften eines einfachen gleitenden Durchschnitts hängen maßgeblich von seiner Länge ab: Fließen nur wenige Kurse in den SMA ein, bewegt sich dieser sehr stark und generiert viele Signale. Das Risiko für Fehlsignale ist dementsprechend hoch. Besonders in volatilen Seitwärtsphasen des Marktes generieren gleitende Durchschnitte (wie alle trendfolgenden Indikatoren) viele falsche Signale.

  • Je mehr Kurse in einen gleitenden Durchschnitt einfließen, desto träger ist er
  • In seitwärts verlaufenden Märkten generieren Durchschnitte besonders viele Fehlsignale

Umgekehrt verhält sich ein sehr langer Durchschnitt sehr träge. Er zeigt womöglich erst dann einen Aufwärtstrend an, wenn dieser schon in einem sehr späten Stadium angekommen oder schon fast vorüber ist. Zudem generiert er bei einer Trendwende erst sehr spät ein Ausstiegssignal. Über die optimale Länge eines Durchschnitts finden in der Literatur sehr unterschiedliche Angaben. Von 5 bis 250 Intervallen ist praktisch alles möglich.

Die meisten Trader, die mit Durchschnitten arbeiten, nutzen eine Kombination aus mehreren Durchschnitten. Gängig ist z.B. ein Trio aus Durchschnitten der letzten 5, 10und 20 Zeitintervalle. Das Ziel dabei ist, Handelssignale mit einer höheren Trefferquote zu erhalten.

Ein Handelssystem mit drei Durchschnitten mit den vorgenannten Intervallen kann Long- und Shortsignale liefern. Aufgrund der besseren Übersicht wird ein Zeitintervall mit einem Tag gleichgesetzt. Es kann sich jedoch genauso um eine Stunde, eine Woche oder eine Minute handeln.

  • Ein simples Handelssystem besteht aus 3 SMA´s (5, 10 und 20 Tage)
  • Long-Entry-Signal bei Überkreuzen des 5-Tage-SMA über den 10-Tage-SMA nach oben
  • Long-Exit-Signal bei Überkreuzen des 5-Tage-SMA über den 10-Tage-SMA nach unten

Ein Longsignal ist dann gegeben, wenn der 5-Tage-Durchschnitt über den beiden anderen Durchschnitten liegt. Ein Shortsignal ist umgekehrt dann indiziert, wenn der 5-Tage-Durchschnitt den 20-Tage-Durchschnitt von oben nach unten kreuzt. Sowohl für Long- als auch für Shortpositionen kann ein solches Regelwerk zudem Exit-Signale liefern: Kreuzt der 5-Tage-Durchschnitt den 10-Tage-Durchschnitt von oben nach unten (der 20-Tage-Durchschnitt wird nicht berühr), kann dies als Ausstiegssignal für Longpositionen dienen.

Umgekehrt werden Shortpositionen geschlossen, wenn der 5-Tage-Durchschnitt den 10-Tage-Durchschnitt von unten nach oben durchkreuzt.

Der Einsatz mehrerer Durschnitte wirkt wie ein Filter: Die Systematik führt zu einer deutlichen Verringerung der Anzahl der Handelssignale. In der Vergangenheit wurde das beschriebene System bereits erfolgreich eingesetzt. Eine Garantie für Gewinne gibt es freilich nicht – auch Verluste sind (besonders in volatilen Seitwärtsphasen des Marktes) möglich.

Gewichtete Durchschnitte

Neben einfachen gleitenden Durchschnitten kommen auch gewichtete Durchschnitte zum Einsatz. Sie unterscheiden sich von der einfachen Variante dadurch, dass die Bedeutung eines Kurses für den Durchschnittswert nicht immer gleich hoch ist. Je weiter ein Kurs zurückliegt, desto weniger Gewicht besitzt er. Das führt dazu, dass die aktuelleren Kurse einen sehr viel größeren Einfluss auf den Wert des Durchschnitts haben.

Die Gewichtung von Durchschnitten kann mit unterschiedlichen Methoden erfolgen. Eine lineare Gewichtung, bei der der Wert eines Kurses konstant über den Berechnungszeitraum hinweg abnimmt ist genauso möglich wie eine exponentielle Gewichtung. In guten Charting-Applikationen stehen nicht nur alle Varianten zur Verfügung – auch die Parameter (also die Länge des Durchschnitts und seine eventuelle Gewichtung) können frei bestimmt werden.

MACD

Der MACD ist der bekannteste trendfolgende Indikator. Er wurde von G. Appel entwickelt. MACD steht für „Moving Average Convergence Divergence“. Der Indikator ist in jeder geläufigen Charting-Software enthalten. Er setzt sich aus insgesamt drei exponentiell gewichteten gleitenden Durchschnitten zusammen. Im Chartbild erscheint er in Form von zwei Linien.

Grundsätzlich können die Zeitperioden, die in den MACD einfließen, frei gewählt werden. In der Standard-Version werden zumeist ein 26-Perioden und ein 12-Perioden-Durchschnitt verwendet. Der längere Durchschnitt wird vom kürzeren Durchschnitt abgezogen – die Differenz ist eine der beiden Linien des MACD.

Die zweite Linie ist ein exponentiell gewichteter Durchschnitt der ersten Linie. Sie dient als Trigger-Linie und ihre Zeitraum ist kürzer: In der Standardversion beträgt sie 9 Perioden. Die kürzere Linie reagiert deutlich schneller auf Veränderungen des Marktes als die längere Linien (der eigentliche MACD). Sie wird deshalb in der Literatur oft auch als „schnelle Linie“ bezeichnet.

Der MACD generiert ein Kaufsignal, wenn die Trigger-Linie die MACD-Linie von unten nach oben durchkreuzt. In diesem Fall liegt ein Aufwärtstrend vor. Analog wird ein Durchkreuzen von oben nach unten als Verkaufssignal interpretiert.

Aus der Konstruktion des MACD ergeben sich verschiedene nützliche Implikationen. So verstärkt sich der Markttrend, wenn sich der Abstand der Signallinie vom MACD vergrößert. Umgekehrt liegt eine Abschwächung vor, wenn sich der Abstand verringert.

Ein sehr interessanter Aspekt des MACD sind Divergenzen zur Marktentwicklung. Eine bearishe interpretierte Divergenz liegt vor, wenn der Markt neue Hochs erreicht, der MACD jedoch nicht. Umgekehrt wird ein steigender MACD bei gleichzeitig nachgebenden Notierungen des Marktes als bullishe Divergenz interpretiert.

Der MACD allein sollte nicht als vollständiges Handelssystem betrachtet werden, sondern lediglich als einer von mehreren Indikatoren dienen. Da er auf gleitenden Durchschnitten basiert, sind auch die Schwächen des Konzepts denen der Durchschnitte sehr ähnlich. Insbesondere in seitwärts verlaufenden Märkten produziert der Indikator viele Fehlsignale.

Oszillatoren

Oszillatoren sind neben trendfolgenden Indikatoren die zweite wichtige Indikator-Gattung. Sie verdanken ihre Bezeichnung ihrer Skalierung: Die Werte eines Oszillators schwanken um eine Nulllinie herum. Ihr Erscheinungsbild im Chart ähnelt deshalb dem einen oder anderen physikalischen Messgerät.

Eine andere gängige Bezeichnung von Oszillatoren ist „Overbought/Oversold“-Indikator. Diese Bezeichnung trifft das Wesen von Oszillatoren. Das Ziel ihres Einsatzes besteht darin, Situationen zu erkennen, in denen ein Markt überkauft oder überverkauft ist und eine Korrektur ansteht.

Das Prinzip von Overbought/Oversold-Indikatoren besteht darin, die Stärke und Geschwindigkeit einer Kursbewegung zu messen.

Relative-Stärke-Index (RSI)

Der Relative-Stärke-Index ist einer der bekanntesten Oszillatoren. Er wurde bereits in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bekannt und von J. Welles Wilder Jr. Entwickelt. Der RSI berechnet sich aus den aufwärts und den abwärts gerichteten Kursen einer bestimmten (prinzipiell beliebigen) Periode.

Der Wert eines 21-Tage-RSI versteht sich als der Quotient der Summe der aufwärts gerichteten Kurse der letzten 21 Tage und der Summe der abwärts gerichteten Kurse der zurückliegenden 21 Tage. Zusätzlich werden noch einige Normierungen vorgenommen, die der einfachen Skalierung des Indikators dienen.

Der RSI wird auf einer Skala von 0 bis 100 angezeigt. Läuft der RSI in einen Bereich über 70, ist dies ein Hinweis auf eine Überkauft-Situation des Marktes. Werte unter 30 werden analog als Überverkauft-Situation interpretiert.

Die Konstruktion des RSI bringt es mit sich, dass der Indikator dem Markt oft vorausläuft. Hochs und Tiefs sind im RSI oft früher zu sehen als im Gesamtmarkt. Von besonderer Bedeutung sind Divergenzen, die sich zwischen dem Verlauf von RSI und dem Markt bilden. Oft signalisieren diese Divergenzen einen Wendepunkt des Marktes. Eine Divergenz liegt z.B. vor, wenn der RSI ansteigt, der Markt jedoch zugleich stagniert oder fällt. Umgekehrt liegt auch dann eine Divergenz vor, wenn der RSI zurückgeht während der Markt zugleich stagniert oder ansteigt.