Die wichtigsten fundamentalen Kennzahlen

Bei der fundamentalen Bewertung des Aktienmarktes spielen viele Faktoren eine Rolle. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ist ebenso wichtig wie Entwicklungen, die nur bestimmte Branchen oder auch einzelne Unternehmen betreffen.

Die Fundamentalanalyse nutzt verschiedene Kennzahlen, um das Verhältnis von Kursen und tatsächlichen Werten einzuschätzen. Das Ziel dieser Vorgehensweise ist es, unterbewertete Aktien aufzuspüren und sie zu kaufen, um von einem Anstieg des Kurses in Richtung des fundamental gerechtfertigten Wertes zu profitieren. Umgekehrt können durch Bewertungskennzahlen überbewertete Aktien und Märkte aufgespürt werden, in denen Shortpositionen eingegangen werden.

Dividendenrendite

Die Dividendenrendite ergibt sich aus der von einem Unternehmen angekündigten Dividendenausschüttung und dem Aktienkurs. Letzterer wird durch die Dividende dividiert. Kostet eine Aktie 100 Euro und beträgt die nächstfolgende Ausschüttung 5 Euro, beläuft sich die Dividendenrendite auf 5 Prozent.

Der größte Vorteil einer hohen Dividendenrendite ist der sichere Mittelzufluss, den Aktionäre erhalten. Die Dividende wird nicht bei allen CFD Brokern in vollem Umfang an CFD-Besitzer weitergereicht. Sofern der CFD Broker einen Teil einbehält, müssen Anleger am Tag der Ausschüttung mit Verlusten rechnen. Ceteris Paribus gilt, dass Aktien am Tag der Ausschüttung um den Betrag an Wert verlieren, der den Anteilseignern zufließt. Anders als bei Anleihen fließt die volle Ausschüttung stets demjenigen zu, der eine Aktie am Stichtag hält.

Eine den Stückzinsen verzinslicher Wertpapiere ähnliche anteilige Ausschüttung an frühere Eigner gibt es nicht. Die Dividendenrendite einzelner Aktien muss stets in Relation zu der von Unternehmen derselben Branche betrachtet werden. Hohe Dividendenrenditen und zudem sehr viel Sicherheit im Hinblick auf die künftigen Ausschüttungen sind bei defensiven Werten mit Versorgercharakter zu finden. Dazu zählen z.B. Energieversorger und große Telekommunikationsunternehmen. Die Dividendenrendite des Gesamtmarktes ist ebenfalls nützlich. Sie wird oft im historischen Kontext betrachtet: Eine sehr hohe Dividendenrendite kann ein Hinweis darauf sein, dass der Markt sich in einer Übertreibungsphase nach unten befindet.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist eine der wichtigsten Kennzahlen bei der Analyse des Aktienmarktes. Es handelt sich dabei um das Verhältnis des Aktienkurses zum erwarteten Gewinn je Aktie. Je höher das KGV ist, desto teurer ist der Markt bewertet. Ein im historischen Vergleich sehr hohes KGV kann deshalb ein Indiz für eine Übertreibung des Marktes nach oben sein. Umgekehrt bieten Märkte mit einem niedrigen KGV oft Einstiegschancen.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis einzelner Aktien muss im Zusammenhang mit dem KGV von anderen Unternehmen derselben Branche verglichen werden. Gerade kleinere und mittelgroße Unternehmen aus Wachstumsbranchen sind gemessen am KGV oft sehr hoch bewertet. KGVs von 50 bis 100 sind keine Seltenheit. Bei den meisten Blue Chips hingegen gilt schon ein KGV von mehr als 20 als Hinweis auf eine Überbewertung.

Das KGV des Gesamtmarktes ist für die fundamentale Betrachtung oft sehr hilfreich, wenn es im historischen Vergleich gesehen wird. Ein sehr niedriges KGV, das sich nach fast jeder ausgeprägten Baisse findet, ist oft ein Hinweis auf einen bevorstehenden Aufwärtstrend. Besonders Aktien von gesunden Großunternehmen sind nach Abwärtsbewegungen immer wieder zu einstelligen KGVs zu haben. In der Vergangenheit hat sich der Einstieg bei solchen Bewertungsniveaus sehr häufig ausbezahlt.

Ein Problem des KGV ist seine Anfälligkeit für (legale) Manipulationen durch das Unternehmen bzw. sein Management. Die Basis ist der in der Bilanz ausgewiesene Gewinn, der durch verschiedene Maßnahmen geschönt werden kann. Bei sehr auffälligen Diskrepanzen der KGVs vergleichbarer Unternehmen sollten Anleger deshalb unbedingt weitere Informationen einholen.

Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)

Das Kurs-Cashflow Verhältnis ist die Relation von Aktienkurs und Cashflow. Der Cashflow eines Unternehmens ist aus verschiedenen Gründen sehr wichtig für die fundamentale Bewertung. Er gibt an, ob mehr Geld in ein Unternehmen hineinfließt als umgekehrt herausfließt. Anders als bei der Ermittlung des Bilanzgewinns werden nur zahlungswirksame Geschäftsvorfälle berücksichtigt. Abschreibungen z.B. vermindern den Cashflow nicht. Das gilt auch für Zuführungen zu Rückstellungen.

Der Cashflow gibt Aufschluss über die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens im Hinblick auf Investitionen, Schuldentilgung und zu Ausschüttungen an die Anteilseigner.

Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis errechnet sich aus dem Aktienkurs und dem auf eine einzelne Aktie heruntergebrochenen Buchwert eines Unternehmens. Je niedriger das KBV ist, desto günstiger ist ein Unternehmen bewertet. Ein KBV kleiner 1 bedeutet, dass die Bewertung eines Unternehmens an der Börse niedriger ist als die Vermögenswerte, die das Unternehmen besitzt.

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis wie das KGV besonders wertvoll, wenn es extreme Werte annimmt. Nach Phasen lang anhaltender Kursverluste notierten in der Vergangenheit immer wieder gesunde Industrieunternehmen unter oder nur geringfügig über ihrem Buchwert. Der Einstieg in solche Werte hat sich oft bezahlt gemacht. Umgekehrt kann ein sehr hohes Kurs-Buchwert-Verhältnis ein Indiz für eine Übertreibung des Marktes sein.

Das KBV basiert ausschließlich auf dem ausgewiesenen Bilanzwert. Werte oder Lasten außerhalb der Bilanz werden nicht berücksichtigt. Bei sehr großen Diskrepanzen zur Bewertung vergleichbarer Unternehmen ist deshalb besondere Vorsicht angesagt. Besonders anfällig für Verzerrungen sind Immobilien- und Beteiligungsgesellschaften.