Die Dominanz der globalen Betrachtung bei der Analyse des Devisenmarktes

Die Fundamentalanalyse gliedert sich in zwei Teilbereiche. Neben der Analyse von Einzelwerten, die vor allem am Aktienmarkt von Bedeutung ist, kommt auch der Bewertung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung eine große Bedeutung zu. Bei der Analyse des Devisenmarktes dominiert die globale Betrachtung, da die fundamentalen Einflussfaktoren auf den Forex Markt praktisch durchgängig gesamtwirtschaftliche Aussagen sind. Anleger sollten die wichtigsten gesamtwirtschaftlichen Kennzahlen kennen und bewerten können.

Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) einer Volkswirtschaft ist definiert als die mit Preisen bewertete Summe aller Güter und Dienstleistungen, die in einem bestimmten Betrachtungszeitraum erbracht wurden. Das BIP ist eine der wichtigsten Größen bei der fundamentalen Analyse. Seine absolute Höhe ist dabei allerdings von untergeordneter Bedeutung. Viel wichtiger ist die Veränderungsrate des Bruttoinlandsprodukts.

  • Definition einer Rezession: 2 aufeinanderfolgende Quartale mit sinkendem BIP
  • Die Entwicklung des BIP wird amtlich gemessen und von Banken laufend geschätzt

Die Änderungsrate des BIP wird für alle etablierten Volkswirtschaften quartalsweise gemessen. Die Veröffentlichung erfolgt nach Land durch die Regierung, die Notenbank oder nationale Statistikbehörden. In konjunkturell guten Zeiten steigt das BIP, in einer Rezession sinkt oder stagniert es. Das BIP-Wachstum aller größeren Volkswirtschaften wird von Banken und Versicherungen genauso prognostiziert wie von Zentralbanken und Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds.

Die Schätzungen des BIP für künftige Zeiträume sind zwar sehr oft ungenau und müssen korrigiert werden, haben aber für die Entwicklungen an den Finanzmärkten eine sehr viel größere Bedeutung als bestätigte Werte aus der Vergangenheit. Insbesondere die Erwartung der Marktteilnehmer im Hinblick auf die bevorstehende konjunkturelle Entwicklung ist wichtig.

Für die Aktienmärkte ist ein positiver Verlauf des BIP-Wachstums ein bullishes Signal: Je größer die Wirtschaftsleistung insgesamt ausfällt, desto höher sind (von Ausnahmen abgesehen) auch die zu erwartenden Gewinne der Unternehmen.

  • Ein hohes Wirtschaftswachstum ist bullish für den Aktienmarkt
  • Am Forex Markt kann die BIP-Entwicklung unterschiedliche Auswirkungen haben

Am Devisenmarkt ist die Interpretation nicht ganz so einfach. Die realwirtschaftliche Entwicklung in einem Währungsraum muss stets im Kontext zu der Entwicklung in einem anderen Währungsraum gesehen werden, da Währungen in Paaren gehandelt werden. Die Aufwertung einer Währung bedingt deshalb immer die Abwertung einer anderen. Zudem muss die konjunkturelle Entwicklung im Gesamtbild mit der Geldpolitik und der Haltung der Notenbanken betrachtet werden.

So kann ein unerwartet starkes Wirtschaftswachstum zur Abwertung einer Währung führen, wenn die Marktteilnehmer von einer deutlichen Straffung der Geldpolitik durch die Zentralbank ausgehen und daraus dämpfende Effekte für die Zukunft ableiten. Eine solche Reaktion erscheint zwar auf den ersten Blick etwas undurchsichtig, hat sich aber so bereits ereignet. Um die Marktreaktion richtig einzuschätzen, müssen Anleger in Erfahrung bringen, was die Marktteilnehmer aktuell bewegt. Davon hängt ab, wie Wirtschaftsdaten vom Markt interpretiert werden.

Inflation

Die Inflation ist sowohl an den Aktienmärkten als auch am Devisenmarkt stets ein wichtiges Thema. Inflation ist definiert als eine Änderung des Austauschverhältnisses von Geld- zu Gütereinheiten. Bekannter ist die Bezeichnung als „allgemeine Teuerungsrate“.

Inflation hat verschiedene Eigenschaften. Eine der wichtigsten betrifft Finanzvermögen: Sie verlieren durch Inflation an Wert. Das gilt vor allem für rein nominale Werte, wie z.B. verzinsliche Wertpapiere. Der Aktienmarkt hingegen profitiert gemeinhin von einer ansteigenden Teuerungsrate, weil Aktien einen Anteil an einem Unternehmen und damit einen Sachwert darstellen.

  1. Die Inflationsrate wird amtlich gemessen und monatlich veröffentlicht
  2. Die Inflation ist sehr wichtig für die Geldpolitik der Zentralbank
  3. Steigende Inflationsraten sind tendenziell bullish für Wechselkurs und Aktienmarkt

Besonders die Aktien von Unternehmen, die durch eine starke Stellung am Markt höhere Preise für Produktions-Inputs auf ihre Kunden umlegen können, gelten als gefeit gegen inflationäre Risiken. Ein inflationäres Umfeld ist deshalb tendenziell bullish für den Aktienmarkt.

Auch am Forex Markt wird die Inflationsentwicklung von allen Marktteilnehmern genau beobachtet. Der wichtigste Grund hierfür ist der Einfluss der Teuerungsrate auf die Geldpolitik der Zentralbank. Da eine (übermäßig hohe) Inflation generell unerwünscht ist, straffen die meisten Notenbanken die Geldpolitik, wenn die Inflationsrate über ein bestimmtes Level hinaus ansteigt. Die Europäische Zentralbank z.B. definiert eine jährliche Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent als Zielvorgabe.

  • Der amtliche Verbraucherpreisindex indiziert Inflation erst spät
  • Die Erzeugerpreise gelten als Frühindikator der Preisentwicklung

Die Inflation wird von amtlichen Stellen gemessen und gemeldet. In Deutschland wird die Entwicklung der Verbraucherpreise monatlich vom statistischen Bundesamt bekanntgegeben. Darüber hinaus ermittelt die europäische Statistikbehörde Eurostat die Teuerungsrate in allen Ländern der Eurozone und für diese insgesamt.

Neben den Verbraucherpreisen sind auch die Erzeugerpreise ein sehr wichtiger Indikator für die Inflationsentwicklung in einer Volkswirtschaft. Die Erzeugerpreise gelten in dieser Hinsicht als Frühindikator, weil sie Preisveränderungen deutlich früher indizieren als die Verbraucherpreise, die oft erst in einem späten Stadium des Konjunkturzyklus reagieren.

Stimmungsindikatoren

Auch verschiedene Stimmungsindikatoren haben Einfluss auf die Entwicklung am Aktien- und Devisenmarkt. Stimmungsindikatoren werden von Wirtschaftsforschungsinstituten, Universitäten und anderen Einrichtungen erstellt. Ihre Anzahl ist kaum überschaubar. In der Praxis sind jedoch nur vergleichsweise wenige Stimmungsindikatoren von Bedeutung.

  • Das US-Verbrauchervertrauen der Uni Michigan ist der wichtigste Stimmungsindikator weltweit
  • In Deutschland gilt der Ifo-Geschäftsklimaindex als zuverlässiger Frühindikator

Am Forex Markt und am Aktienmarkt wird das US-Verbrauchervertrauen stets mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Die Wirtschaft in den USA ist in hohem Maße vom Konsum der privaten Haushalte abhängig. Die Konsumstimmung gilt deshalb als einer der wichtigsten Indikatoren für die Entwicklung der US-Wirtschaft. Das Verbrauchervertrauen wird monatlich von der Universität Michigan in einer Befragung von 5.000 Haushalten gemessen und veröffentlicht.

In Deutschland hat sich der Ifo-Geschäftsklimaindex als Stimmungsindikator für die deutsche Wirtschaft etabliert. Er wird am deutschen Aktienmarkt ebenso beachtet wie am Devisenmarkt, da die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland als größter Volkswirtschaft der Eurozone auch von Bedeutung für die Wechselkursentwicklung des Euro ist.