Chancen und Risiken beim Forex-Trading an Beispielen

Ein wesentliches Merkmal des Retail- Devisenhandels ist die hohe Hebelwirkung, die durch den geringen Eigenkapitaleinsatz möglich wird. Wie hoch der Prozentsatz ist, der als Margin auf dem Handelskonto vorgehalten werden muss, ist unterschiedlich. Gängig ist der Handel mit dem 100fachen des Eigenkapitals.

  • Airbag-Vereinbarung: Das Konto kann niemals unter Null fallen
  • Effektives Risikomanagement mit Stop Loss und Co.

Der Handel mit einem derart großen Finanzhebel bietet große Gewinnchancen, birgt jedoch ebenso große Verlustrisiken bis hin zum Totalverlust oder sogar Verlusten, die über den Einsatz und das Kontoguthaben hinausgehen. An zwei Fallbeispielen soll verdeutlich werden, welche Ergebnisse im Forex Trading möglich sind.

Fallbeispiel I: Der bullishe Euro

Ausgangssituation:

Ein Investor geht von einem steigenden Zinsniveau im Euroraum und einem zugleich stagnierenden Zinsniveau in den USA aus. Er rechnet deshalb mit einer Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar. Zum Kurs von 1,2850 (Briefkurs) eröffnet er deshalb eine Longposition im EUR/USD. Die Positionsgröße beträgt 200.000 Einheiten (Euro) und die hinterlegte Margin beträgt 2.000 Euro.

Aufgrund der aktuellen Zinsniveaus in den USA und dem Euroraum und dem Finanzierungsspread des Brokers belaufen sich die Finanzierungskosten auf 12 Euro pro Tag. Sie werden ab dem auf die Eröffnung der Position folgenden Tag berechnet.

Verlauf:

Die Einschätzung des Investors erweist sich als richtig. Der Euro legt gegenüber dem Dollar deutlich zu und notiert 7 Tage später bei 1,3270 (Geldkurs). Der Investor entschließt sich deshalb, die Position glattzustellen und vollständig zu verkaufen. Der Verkauf erfolgt zum Kurs von 1,3270.

Ergebnis:

Im Ergebnis realisiert der Investor einen Gewinn in Höhe von 6537 Euro, von dem die Finanzierungskosten in Höhe von 72 Euro abzuziehen sind. Der Gesamtgewinn beträgt somit 6465 Euro. Bezogen auf den Einsatz ergibt sich somit ein Gewinn von fast 325 Prozent in lediglich einer Woche.

Fallbeispiel II: Euro im Sinkflug

Ausgangssituation:

Ein Investor sieht die konjunkturelle Situation in Europa sehr viel günstiger als die in den USA und geht deshalb von steigenden Zinsen im Euroraum sowohl am kurzfristigen als auch am langfristigen Ende aus. Er eröffnet eine Longposition im EUR/USD zum Briefkurs von 1,3050 USD. Die Positionsgröße beträgt 300.000 Euro und die hinterlegte Margin beläuft sich auf 3.000 Euro.

Verlauf:

Die Überlegungen des Investors erweisen sich als falsch. Am Markt machen sich Sorgen um die Staatsverschuldung einiger Euro-Mitglieder breit, die alle konjunkturellen Hoffnungen überdecken. Da die Politik außerstande ist, entschlossen durchzugreifen, gerät der Euro in der Folgewoche massiv unter Druck.

Szenario I: Glattstellung durch Stop Loss

Bereits bei der Eröffnung der Position hat der Investor festgelegt, dass er bei einem Kurs von 1,2950 die Position vollständig glattstellen und so größere Verluste vermeiden will. Er hat deshalb zusammen mit der Order ein Stop-Loss auf diesem Kursniveau platziert. Dieses wird ausgelöst, als der Kurs das betreffende Marktniveau erreicht und führt einer Glattstellung bei 1,2950. Inklusive der Finanzierungskosten beträgt der Verlust rund 2400 Euro. Damit sind 80 Prozent des Einsatzes verloren.

Szenario II:

Der Investor hat bei der Eröffnung der Position keine Verlustbegrenzung in Betracht gezogen und auf ein Stop Loss verzichtet. Während eines turbulenten Handelsverlaufs stürzt der Euro regelrecht ab. Beim Kurs von 1,2700 erhält der Investor einen Anruf seines Brokers mit der Aufforderung, umgehend neues Kapital auf sein Konto einzuzahlen. Nicht nur die in der Position gebundene Margin von 3.000 Euro, sondern auch alle übrigen Guthaben auf dem Handelskonto sind aufgebraucht. Der Negativsaldo beträgt nun ca. 2000 Euro.

Forex Trading: Verlustbegrenzung ist überlebenswichtig

Die beiden Beispiele verdeutlichen, wie groß die Bandbreite der möglichen Ergebnisse im Forex Trading ist. Der Finanzhebel macht sehr große Gewinne in einer sehr kurzen Zeit möglich, weil auch kleine Marktbewegungen, die fast immer stattfinden, zu großen Profiten führen. Umgekehrt besteht ein extrem großes Verlustrisiko, das im allerschlimmsten Fall sogar zur Zahlungsunfähigkeit des Traders führen kann.

Der „Margin Call“ durch den Broker im obigen Beispiel ist allerdings eine Ausnahme. In der Regel stellen Broker alle offenen Positionen glatt, bevor sich ein größerer Negativsaldo aufbauen kann. Dennoch sind Verluste, die über den Einsatz hinausgehen, durchaus möglich. Viele Forex Broker bieten ihren Kunden jedoch eine Airbag-Vereinbarung an, die ausschließt, dass das Konto unter Null fallen kann.

Margin Call: Die Nachschusspflicht kann teuer werden

Eine der wichtigsten Grundregeln im Forex Trading betrifft die Verlustbegrenzung: Trader, die mit einem sehr großen Hebel arbeiten, müssen ein aktives Risiko- und Moneymanagement betreiben. Sonst ist das Risiko eines schnellen Totalverlustes sehr groß. Zum Risiko- und Moneymanagement gehören mehrere Komponenten.

Neben der Verlustbegrenzung und Gewinnsicherung durch spezielle Orderarten, wie Stop-Loss und Trailing Stop ist auch eine vernünftige Bestimmung der Positionsgröße wichtig.