Sentiment-Analyse

Die Sentimentanalyse ist eine relativ neue Disziplin. In den sechziger Jahren haben Analysten damit begonnen, gezielt die Stimmung unter den Marktteilnehmern zu ermitteln und daraus Rückschlüsse auf die künftige Marktentwicklung gezogen.

Richtig eingesetzt kann das Sentiment die Erkenntnisse der technischen Analyse sinnvoll ergänzen und darüber hinaus Warnhinweise auf möglicherweise bevorstehende Richtungswechsel geben.

Die technische Analyse berücksichtigt bereits Details in Kursverlauf. So gelten Trends als besonders stabil, wenn sie langsam und kontinuierlich und ohne Ansehen der täglichen Ereignisse ablaufen. Dann, so die gängige Lehrmeinung, sind die „starken Hände“ am Werk. Unstetes Auf und Ab deutet dagegen auf unsichere Marktteilnehmer mit zu weiten Teilen auf Kredit finanzierten Positionen hin.

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Wie lässt sich die Marktstimmung messen?

Neben der Volatilität liefern auch die Handelsumsätze am Aktien- oder Anleihemarkt bzw. das Open Interest am Terminmarkt Hinweise auf die mentale Verfassung des Marktes. Umsätze sollten charttechnische Formationen bestätigen – ist dies nicht der Fall, liegt zumindest ein Warnhinweis auf einen möglichen Fehlausbruch vor.

Ein erheblicher Teil der modernen Sentimentindikatoren basiert auf Befragungen von Marktteilnehmern. Dabei kann es sich um Analysten, Fondsmanager, Finanzjournalisten oder auch gewöhnliche Privatanleger handeln. Besonders aufschlussreich, aber auch nicht immer unproblematisch ist die kombinierte Befragung nach der Markterwartung und der bereits erfolgten Positionierung.

Optimisten haben bereits gekauft

Grundsätzlich ist eine optimistische Stimmung der Marktteilnehmer ein Hinweis auf steigende Kurse. Haben die Optimisten jedoch bereits in großem Umfang gekauft, könnte es für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends an Nachfrage fehlen. Die Sentiment-Analyse geht davon aus, dass optimistisch bestimmte Marktteilnehmer tendenziell eher bereits im Markt investiert sind.

Diese Überlegung gilt auch in die andere Richtung. Kommt es nach einem längeren Aufwärtstrend zu einer plötzlichen Korrektur, ist die Reaktion der Marktteilnehmer darauf entscheidend für die Prognose des weiteren Verlaufs.

Geht die überwiegende Mehrzahl der Marktteilnehmer davon aus dass die Korrektur ein günstiger Zeitpunkt zum Nachkaufen ist wurde mit großer Wahrscheinlichkeit auch bereits so gehandelt. Dann ist möglicherweise noch immer zu viel Optimismus im Markt, was die Wahrscheinlichkeit einer Fortsetzung der Korrektur erhöht.

Sentix: Wöchentliche Umfrage unter Anlegern

Der bekannteste Sentimentindex in Deutschland ist der seit Anfang der Neunzigerjahre bestehende Sentix. Für den Indikator werden wöchentlich mehrere hundert institutionelle und private Anleger befragt.

Durch die kurzen Intervalle und eine langfristige Datenbasis lassen sich Beziehungen zwischen Änderungen in der Markterwartung und Kursänderungen besonders gut erkennen. Privatanleger können sich selbst beim Sentix anmelden und an der Umfrage teilnehmen.

Bei der Messung der Marktstimmung sind der Fantasie grundsätzlich keine Grenzen gesetzt. Einige Indikatoren werten die Titelblätter von Finanzzeitschriften oder die Überschriften in Wirtschaftszeitungen aus.

Findet sich dort viel Optimismus, wird das als Warnhinweis betrachtet. Großer Pessimismus deutet diesen Überlegungen zufolge dagegen auf einen möglicherweise günstigen Einstiegszeitpunkt hin.

Was verraten die sozialen Netzwerke?

In Zukunft könnte das Suchanfragevolumen bei Suchmaschinen wie Google ebenso eine größere Rolle zur Ermittlung der Marktstimmung spielen wie Auswertungen der sozialen Netzwerke.

Unabhängig von der Datenbasis dürfen Sentimentindikatoren unter keinen Umständen für sich allein stehend zur Marktanalyse verwendet werden. Die Ergebnisse der Indikatoren sollten die Indizien der Technischen Analyse bestätigen.

Ist die Stimmung nach dem Bruch einer signifikanten Linie noch auffallend gut, deutet das auf fallende Kurse hin.

Eine „gefährliche Situation“ im Sinne eines möglicherweise bald bevorstehenden Crashs liegt generell immer vor, wenn Anleger schlechte Nachrichten (und dazu gehören auch charttechnische Ereignisse) ignorieren.